Nachruf Hannelore Hoger
Tschüß Hannelore
Am 3. Februar wurde Hannelore Hoger in Hamburg beerdigt. Am 10. März wollen Weggefährten, Freundinnen und Freunde, wie zum Beispiel Brigitte Janner, Gerd Böckmann, Peter Franke, Stefan Gwildis, Gustav Peter Wöhler u.v.a., noch einmal an sie erinnern mit Liedern, Texten, Filmausschnitten und persönlichen Erinnerungen.
Montag, 10. März 2025 um 19.30 Uhr
Der Eintritt ist frei! * Freie Platzwahl!
WIR TRAUERN UM
HANNELORE HOGER
(20.8.1939 - 21.12.2024)
Nachruf
Mit Hannelore Hoger hat das deutsche Theater und natürlich auch das in ihrer Heimatstadt Hamburg eine seiner prägendsten Protagonistinnen verloren.
Das erste Mal auf der Bühne gesehen habe ich sie im Mai 1977 beim Berliner Theatertreffen in der Freien Volksbühne, wie das Haus der Festspiele damals noch hieß, als unübersehbare, tief berührende und gleichzeitig hinreißend komische Protagonistin einer Gruppe um ihren Lieblingsregisseur, den Argentinier Augusto Fernandes, zu der auch Kollegen wie Fritz Schediwy und Brigitte Janner, Magdalena Montezuma und Hermann Lause gehörten. Ohne sich nach vorne zu drängen, war sie mit ihrer warmen unverwechselbaren Stimme das Zentrum von „Atlantis“. dieses überbordenden, rauschhaften Traum-Spektakels zum Thema Erinnerung, das als Kollektiv-Produktion – alle Beteiligten waren Mitautoren und Miterfinder – an Peter Zadeks Bochumer Schauspielhaus entstanden war. Zadek war es, der Hannelore Hoger als ganz junge Schauspielerin in Ulm, Anfang der 60er-jahre entdeckte und mit nach Bremen und nach Bochum nahm.
Wir sind uns dann ein paar Jahre später am Hamburger Schauspielhaus wiederbegegnet, während der Intendanz von Niels-Peter Rudolph, zu deren prägenden Regisseuren auch wieder Fernandes zählte, der als erstes ein fundiertes Straßberg-Training für Schauspieler einführte. Und immer mit dabei Hannelore Hoger. Auf den regelmäßigen Schauspieler-Vollversammlungen hatte sie, das Hamburger Theaterkind – ihr Vater war Inspizient und Schauspieler im Ohnsorg-Theater und so ist sie quasi im Theater aufgewachsen, und ist hier mit 14 auch das erste Mal aufgetreten – immer eine Meinung, die sie manchmal auch lautstark äußerte. Besonders, wenn sie sich über vermeintliche oder wirkliche Ungerechtigkeiten ärgerte, die Kollegen oder Kolleginnen betrafen. Ich wurde ihrer Unterstützung ganz persönlich zuteil: Als mir bei meinem Abschied vom Schauspielhaus öffentlich mitgeteilt wurde, dass es kaum noch Schauspieler gäbe, die mit mir arbeiten wollten und man deshalb den Vertrag mit mir auflösen müsse, war es Hannelore, die als erste aufstand und sagte: „Das ist doch totaler Quatsch. Ich habe sehr gerne mit Uli gearbeitet und würde das auch sofort wieder tun.“
Und in der Tat hatten wir eine wunderbare kleine Produktion im Malersaal zusammen gemacht: „Susn“ von Herbert Achternbusch, fünf Monologe einer Frau in verschiedenen Lebensaltern, die eigentlich auch von fünf verschiedenen Frauen gespielt werden sollten. Hannelore meinte: „Ich spiel die alle, sonst macht das gar keinen Sinn.“ Und sie hatte Recht: Sie konnte eine 17-jährige genauso glaubhaft verkörpern wie eine alte Frau kurz vor dem Sterben. Und was wurde geunkt vor Probenbeginn, dass sie, die berühmte Schauspielerin, mich, den Berufsanfänger, fressen würde schon auf der ersten Probe. Es kam ganz anders. Es wurde eine Arbeit auf Augenhöhe, in gegenseitigem Respekt. Und natürlich habe ich profitiert von ihrem untrüglichen Theaterinstinkt, von ihrer handwerklichen Kunst, die sie ganz uneigennützig der gemeinsamen Arbeit zur Verfügung stellte – wie sie das auch später als Regisseurin vor allem mit jungen Schauspielern gemacht hat. Dieses mutige Eintreten für mich damals werde ich ihr nie vergessen.
Manchmal kämpfte sie auch gegen Windmühlen mit ihrem Gerechtigkeitssinn, der auch eines der prägendsten Merkmale ihrer berühmtesten Fernsehfigur „Bella Block“ werden sollte. Bei unserer nächsten Begegnung in den Hamburger Kammerspielen, riss sie sich eines Abends in der Garderobe wütend ihre Perücke vom Kopf und erklärte mir, dass sie heute Abend nicht auftreten würde. Der Grund: ich hätte in einem Interview behauptet, dass nicht „After Play“, die erfolgreichste Produktion der Kammerspiele sei. Ein Stück in dem sie zusammen mit Gerhard Garbers, Angela Schmid, und dem unvergessenen Dietmar Mues zwei Paare nach einem Theaterbesuch spielte, die sich über das gerade gesehene Stück und das Leben überhaupt in die Wolle kriegten. Ich müsse das sofort dementieren und ihr das Dementi vorlegen. Es sei Sonntag, wie soll das gehen, habe ich noch geantwortet. Dann werde sie selbst für die Richtigstellung sorgen und bei der bevorstehenden Zadek-Premiere mit „Gesäubert“ Flugblätter vom Rang schmeißen. Die Flugblätter flogen nicht, Hannelore hatte sich wieder beruhigt, später selbst auch über diesen Auftritt gelacht und die Vorstellung gespielt.
Genauso wie die Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, inszeniert von Wilfried Minks im St. Pauli-Theater, in der die Klaviatur aller Facetten, aller Gefühlslagen, auf denen Hannelore spielen konnte, zu erleben war. Auch das ein starker Auftritt.
Neben dem Theater hatte sie früh ihre Filmkarriere begonnen, mit formal ungewöhnlichen Arbeiten zusammen mit dem Regisseur Alexander Kluge. Einem breiten Publikum wurde sie natürlich bekannt als Kommissarin Bella Block, eine Figur die sie zusammen mit Max Färberböck nach einer Vorlage von Doris Gehrcke entwickelt hatte oder unvergesslich die Lea in Egon Monks „Die Bertinis“. Vor allem sie erdete diese Geschichte wieder in Hamburg.
Unsere dritte Begegnung war dann bei Yasmina Rezas „Ihre Version des Spiels“, ein Stück über den schwierigen Auftritt einer berühmten Schriftstellerin in der Provinz. Und integriert immer wieder Lesepassagen der Schriftstellerin, in denen Hannelore auch ihre wunderbare Fähigkeit als Lesende zeigen konnte. Und sie entdeckte Volker Lechtenbrink wieder, dessen Karriere gerade etwas leise geworden war. Er spielte dann den Bürgermeister, der der Schriftstellerin erklären will, wie man eigentlich schreibt und worüber. Ein großartiges, unmögliches Paar, das am Ende zusammen „Nathalie“ von Gilbert Becaud sang.
Ihre Figuren hat Hannelore immer in Schutz genommen, sie nie ausgestellt. Sie waren immer authentisch, egal ob der Autor Goethe hieß („Der Großkophta“) oder Botho Strauß („Kalledewey Farce“). Nett sind sie dadurch nicht geworden, ihre scharfe Zunge, die Hannelore auch privat haben konnte, hat sie ihnen ebenso geschenkt wie ihren Humor.
Zuletzt war sie vor gut einem Jahr bei uns auf der Bühne. Bei der Spielzeiteröffnungs-Gala mit dem wunderbaren Tucholsky-Text „Der Beleuchter“, nochmal ein kleiner Hinweis auf den von ihr so verehrten Dichter und auch auf ihre Herkunft aus dem Theater und im November mit einer Lesung aus Sybille Bergs „Ich dachte, es sei Liebe – Abschiedsbriefe von Frauen“.
Jetzt ist sie selbst gegangen kurz vor Weihnachten. Unsere Gedanken sind bei ihrer Tochter Nina.
Tschüss Hannelore
Ulrich Waller
Wer hat Angst vor Virgina Woolf?
von Edward Albee
Ihre Version des Spiels
von Yasmina Reza
Fortuna Ehrenfeld
Fortuna Ehrenfeld
Solo am Klavier
Der Teufel hat das Gaspedal erfunden
Und jetzt dreh’n wir unsre Runden
Und tanken gleich noch’n bisschen Sprit
„Am Klavier ein Großmeister der herben Erzählung. Betörend und souverän.“ Rolling Stone
Ausverkaufte Tourneen und eine jubelnde Presse.
In wenigen Jahren führte Martin Bechler, Kopf und Sänger der Kölner Abräumer Indie-Band Fortuna Ehrenfeld, sein Projekt vom mäßig besuchten Kneipenkonzert in die ausverkaufte Kölner Philharmonie.
Mit seiner eigenwilligen Poesie und unberechenbaren Klangkosmen hat er sich ein vollkommen eigenständiges Genre geschaffen.
Bei seltenen Solokonzerten führt Bechler uns zurück in sein Arbeitszimmer zu seinem Klavier, wo die Lieder für Fortuna entstehen, bevor er sie mit seiner spielwütigen Band durch den Wolf dreht. In Solo am Klavier öffnen sich stille, tiefe Räume – Texte und seine unverwechselbare Stimme treten in den Vordergrund.
2024 wird er für seine „berauschenden Melodien und musikalischen Widerständigkeiten“ mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet.
Termin
10. Juni 2026
Beginn: 19.30 Uhr
Preise
24 € und 34 €
Dauer
ca. 120 Minuten, inkl. Pause
„Einmal die linke Herzkammer über der Tastatur ausgegossen und die rechte wütend hinterhergeschmissen“ Martin Bechler
„Fortuna Ehrenfeld treffen mitten in’s Herz“ Stern
„Betörend und souverän.“ Rolling Stone
„Einer der größten Songschreiber der Neuzeit“ Schall Magazin
„Da liegt sie also nun, die neue Messlatte der deutschen Popmusik“ MZ
Marlene Jaschke
MARLENE JASCHKE
"Hier bin ich Mensch..."
Stückinfo
Marlene Jaschke – das Hamburger Unikat – geht neue Herausforderungen an: In einem Literaturkreis knüpft sie sich dieses Mal Goethes Faust vor und ergründet gemeinsam mit ihrer Freundin Hannelore, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.
Seit vierzig Jahren begeistert und bewegt die eigenwillige Dame mit dem roten Hut bereits ihr treues Publikum, und gewährt Einblicke in ihren Alltag in der Buttstraße 5b und als Chefsekretärin im Schraubengroßhandel.
Nun lädt Frau Jaschke zu einer weiteren musikalischen Entdeckungsreise ein: Mit viel Humor und Gesang wird auch das eine oder andere Geheimnis aus ihrem engsten Familienkreis gelüftet. Herr Griepenstroh, Orgelspieler von der St. Trinitatis-Gemeinde, darf hierbei natürlich keineswegs fehlen!
Kommen Sie mit auf einen Abend voll Witz und Herzlichkeit und stellen auch Sie sich der Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein – Lachen, Rührung und vergnügte Unterhaltung garantiert.
Termin
24. und 25. September 2026
Beginn: 19.30 Uhr
Preise
17 € bis 44 €
Dauer
ca. 120 Minuten, inkl. Pause
Nacht-Tankstelle
Nacht-Tankstelle
von Franz Wittenbrink
Eine große Hamburger Tageszeitung attestierte dem St. Pauli Theater nach der Premiere, dort liefe das zurzeit beste Musical der Stadt. Das Stück läuft jetzt im fünfzehnten Jahr und hat nichts von seiner Frische verloren.
Die Tankstelle um die Ecke ist der Ort, an dem sich die Nachtschwärmer treffen. Und es ist ein besonderer Abend, der da allerlei Volk – in diesem Fall die Punkerin, den arbeitslosen Seemann, den Philosophieprofessor, den jungen Rapper, die aus dem Augustinum entlaufene Seniorin samt der sie suchenden polnischen Altenpflegerin, der Betrunkene von der Weihnachtsmannvermittlung, die Prostituierte, die Investment-Bankerin oder gar ein Eisbär – in ihrer Tristesse vereint: Der Heilige Abend. Zeit einzukehren, das Jahr Revue passieren zu lassen. Selten sind die Menschen in ihren Gefühlen so ungeschützt wie in diesen Stunden. Die alten Rituale helfen da über manche Verwirrung hinweg.
Franz Wittenbrink ist ein Multitalent – er ist gleichermaßen Komponist, Dirigent, Arrangeur und Regisseur. Mit seinen schlicht „Liederabende“ genannten Produktionen sorgt er für Furore. Dabei ist sein Erfolgsrezept nach eigener Einschätzung ganz einfach: „Ich versuche Geschichten zu erzählen, denen das Publikum eher wie in einem Schauspiel folgt, wobei die Figuren, statt miteinander zu reden, halt singen.“
Dieser Klassiker, das ultimative Weihnachtsmärchen für Erwachsene, kommt nun wieder und die legendäre Kiez-Tankstelle, an deren Stelle immer noch ein großes Loch klafft, erwacht zu neuem Leben – für einen besonderen Abend, der eine schräge Mischung von Weihnachtshassern vereint, die am Ende alle zusammen die Heilige Nacht feiern. Seit über 15 Jahren ist der Abend Kult!
Schauspieler und Kreativteam
Mit: Raphael Dwinger, Victoria Fleer, Marion Martienzen, Uwe Rohde, Stephan Schad, Erik Schäffler, Anne Weber
Musiker: Uwe Granitza / Lars Hansen, Jan-Peter Klöpfel, Matthias Pogoda, Franz Wittenbrink, Helge Zumdieck
Regie: Franz Wittenbrink | Bühne: Raimund Bauer | Kostüme: Nini von Selzam | Musikalische Leitung: Franz Wittenbrink / Matthias Stötzel
Termine
25. bis 31. Dezember 2026
Beginn: 25. + 28.-31.12., jew. 19.30 Uhr, 26. + 27.12. um 18 Uhr
Preise
25.-26.12.: 29 € bis 69 €
27.-30.12.: 22 € bis 59 €
31.12.: 49 € bis 89 €
Schüler/innen, Studierende und Auszubildende: 50 % des Kartennettopreises
Dauer der Vorstellung
ca. 120 Minuten, ohne Pause
Pressestimmen
„Der neue Wittenbrink am St. Pauli Theater ist Hamburgs bestes Musical.“ Hamburger Abendblatt
„Sieben sensationelle Darsteller liefern pralles Musiktheater.“ Die Welt
„Manchmal schon hat man Franz Wittenbrink vorgeworfen, Liederabende von der Stange zu liefern – dieser hier ist fraglos einer der besten. Standing Ovations.“ NDR Kultur
Thank you for the music
Collien Konzert & Theater GmbH präsentiert eine Twist and Shout-Produktion
Thank you for the music
Die ABBA-Story
Erleben Sie die unvergleichliche Musik von ABBA in einer Show, die Sie direkt zurück in die 70er-Jahre versetzt! „Thank you for the music – Die ABBA-Story“ feiert die größten Hits der schwedischen Kultband und bringt die magischen Momente ihrer glanzvollen Karriere live auf die Bühne.
Genießen Sie in dieser fulminanten Live-Show sämtliche Hits wie „Waterloo“, „Mamma Mia“, „Fernando“, „Take a Chance On Me“, „Money, Money, Money“ und „Dancing Queen“ – präsentiert von Künstlerinnen und Künstlern, die ihren großen Vorbildern nicht nur optisch verblüffend ähnlich sehen, sondern auch gesanglich perfekt mit ABBA übereinstimmen und begleitet werden von stimmgewaltigen Backgroundsängerinnen und Backgroundsängern und einer erstklassigen Band.
Die Show „Thank you for the music“ ist mehr als nur eine musikalische Hommage – sie ist eine Zeitreise durch die Gefühle und Erinnerungen, moderiert von dem schwedischen Sänger und Schauspieler Petter Bjällö, der bereits bei „The Voice of Germany“ 2024 die Herzen der Coaches eroberte und nun mit profundem Hintergrundwissen durch den Abend führt.
Moderation in deutscher Sprache.
Unser Theatersaal ist vollklimatisiert!
In der Show werden stroboskopische Effekte eingesetzt, die lichtempfindliche Zuschauerinnen und Zuschauer beeinträchtigen können.
Mit
Rachel Hiew als Agnetha
Dominique Lacasa als Anni-Frid
Jules Dodd als Björn
Jarek Jeziorowski als Benny
Moderation: Petter Bjällö
Musiker: Paul Hetherington (Bass), Siamak Sattari (Gitarre), Ralf Kündgen (Drums), Ilia Skibinsky / Friedemann, Matzeit (Saxophon)
Backing Vocals: Robin Poell, Corie Townsend, Ina Wagler-Fendrich
Änderungen vorbehalten!
Termine
30. Juli bis 12. September 2027
Beginn
dienstags – freitags jew. 19:30 Uhr,
samstags 15 und 20 Uhr
sonntags 14.30 Uhr
Preise
39,50 € bis 84,50 €
Schüler/innen, Studierende und Auszubildende: 50 % des Kartennettopreises
Dauer
ca. 2 1/2 Stunden, inkl. Pause
Leider sind wir aus technischen Gründen gezwungen, die induktive Höranlage bei dieser Veranstaltung wegen Verwendung elektrisch verstärkter Instrumente auszuschalten.
Pressestimmen
„Bei der Hamburg-Premiere der zweieinhalbstündigen Show hält es in den letzten 30 Minuten kaum noch jemand auf dem Sitz; vom Parkett bis hoch in den zweiten Rang gleicht der Theatersaal neben der Davidwache einer Drei-Etagen-Disco für drei Generationen.“
Hamburger Abendblatt
„Mit Wiederholungsgefahr für Fans zeitlos guter Musik. Alte wie junge.“
Hamburger Abendblatt
Wir trauern um
Franz Peschke
Wir trauern um den Dramaturgen und langjährigen Freund Franz Peschke.
(1947-2024)
Im September wäre er 77 Jahre alt geworden: der Theater-Impresario und Dramaturg, Erfinder und Ermöglicher Franz Peschke. Jetzt ist er ganz überraschend am 16.5.2024 in Weimar gestorben.
Noch in der Kammerspiele-Zeit war er auf unsere Arbeit aufmerksam geworden und mit dem Brecht-Abend „Von Augsburg nach Bilbao“ mit Ulrich Tukur lud er zum ersten Mal eine Produktion von uns ein auf den Hügel der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Das war der Beginn einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit, deren Ergebnisse auch einige spektakuläre Co-Produktionen waren, die wir uns ohne die Ruhrfestspiele als Co-Produzent gar nicht hätten leisten können, wie z.B. die Zadek-Inszenierung von „bash“ mit Judith Engel, Ben Becker und Uwe Bohm.
Nach unserem Wechsel zum St. Pauli Theater und zu Thomas Collien und dem gleichzeitigen Intendantenwechsel in Recklinghausen von Hans-Günter Heyme zu Frank Hoffmann war er es, der ganz stark auf eine Fortsetzung unserer gemeinsamen Arbeit drängte.
Und mit unserer „Dreigroschenoper“ waren wir dann auch gleich wieder im Festspielhaus. Hannelore Hoger mit “Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ folgte bald hinterher. „Cabaret“ (mit Gustav Peter Wöhler), die Zadek-Produktionen „Der bittere Honig“ mit Eva Mattes und Julia Jentzsch und Pirandellos „Nackt“, „Das letzte Band“ mit Otto Sander, „Siegertypen“ mit Uwe Bohm, Stefanie Stappenbeck und Ronald Zehrfeld, „Endstation Sehnsucht“ mit Ben Becker und Johanna Christine Gehlen, „Gott des Gemetzels“ mit Herbert Knaup und Barbara Auer, “Arsen und Spitzenhäubchen“ wieder mit Eva Mattes und Angela Winkler waren viele weitere erfolgreiche gemeinsame Arbeiten, die, wie im letzten Fall, die Premiere in Recklinghausen hatten, bevor sie nach Hamburg kamen. Und „Anatevka“ mit Gustav Peter Wöhler, „Tod eines Handlungsreisenden“ mit Burghart Klaußner und „Der Vater“ mit Volker Lechtenbrink sollten folgen. Und es kam nicht selten vor, dass das Publikum in Recklinghausen noch begeisterter war als das in Hamburg.
Manchmal entstanden auch wunderschöne Projekte durch seine Sturheit und seine unendliche Vernetzung in der Theaterszene. Es gab eigentlich kaum eine Größe, die er nicht persönlich kannte und deren Telefon-Nummer er nicht in seinem Notizbuch und später seinem Handy hatte. Er war es, der immer davon träumte den grandiosen argentinischen Theatermagier Jerome Savary noch einmal nach Deutschland zu bringen und so entstand „Happy End“ mit Peter Lohmeyer, Anneke Schwabe, Peter Franke und Angela Winkler. Und er war es, der Barbara Nüsse und ihren Regisseur überredete „Penelope“ nochmal auf die Bühne zu bringen, in einer übermalten Version.
Aber es waren nicht nur die Abende auf der großen Bühne. Wenn er von jemand überzeugt war, unterstützte er dessen oder deren Arbeit mit Vehemenz. So entstanden im kleinen Haus die Dania Hohmann-Produktionen „Gilgi“, die von ihm initiierte Bühnenversion von „Bonjour Tristesse“ und zuletzt „Sehnsuchtsmädchen“ wieder mit Anneke Schwabe im Festspiel-Zelt.
Durch Franz Peschke und seinen Intendanten Frank Hoffmann ist das alte Band, die Gründungsnabelschnur zwischen Hamburg und Recklinghausen, also „Kunst gegen Kohle“ für uns nochmal auf eine ganz persönliche Art erfahrbar geworden. Er hat so vielen unserer Produktionen eine zweite, national beachtete Bühne gebaut. Dafür möchten wir ihm danken.
In den letzten Jahren war es ruhiger geworden. Auf den Spuren Goethes und Schillers war er nach Weimar gekommen und hatte am Ende seines Lebens nochmal begonnen zu schreiben. Es sollte ein Stück werden. Das konnte er nicht mehr vollenden.
Wir werden seine manchmal auch chaotischen Sprünge, die vielen durchtrunkenen Nächte bei unserem gemeinsamen Lieblings-Italiener Carmello, die doch unvorhersehbar wechselnden Lebensgefährtinnen, sein unbestechliches Auge und seine Loyalität vermissen.
Tschüss Franz
Ulrich Waller
James Brown trug Lockenwickler
James Brown trug Lockenwickler
von Yasmina Reza
Nach den vielgefeierten Gesellschaftskomödien „Dreimal Leben“, „Der Gott des Gemetzels“, „Ihre Version des Spiels“ und „Bella Figura“ zeigen wir das neue Stück der französischen Autorin Yasmina Reza: „James Brown trug Lockenwickler“, das pointiert und sehr komisch die gegenwärtigen Debatten um die Verständnisprobleme zwischen den Geschlechtern und den Generationen aufgreift. „In diesem Stück leuchten alle Qualitäten, die Yasmina Rezas dramatisches OEuvre und auch ihre Prosaarbeiten auszeichnen, wieder auf“, urteilte der SZ-Kritiker C. Bernd Sucher nach der Uraufführung.
Diesmal heißt Rezas Hauptthema: Identität. Sie stellt Menschen vor, die instabile Identitäten haben: Ein junger Mann, er heißt Jacob Hutner, glaubt, er sei Céline Dion, imitiert deren Stimme – dichtet und komponiert Songs, die er/sie als die Dion den Eltern vorträgt. Und er will nicht mehr bei seinem Spitznamen Muck genannt werden. Er spielt – oder ist? – die verletzliche und gefeierte Diva. Sein Freund Philippe, den Jacob in der Klinik kennenlernt, dort, wo sie beide geheilt, abgebracht werden sollen von ihrem „Wahn“, jemand anderes zu sein, ist ein weißer Junge, der glaubt, er sei ein Schwarzer. Auch die Eltern von Jacob wissen nicht so recht, wer sie sind; und die namenlose Psychiaterin, die sich der beiden jungen Männer annimmt, hat auch keine kleinen Schwierigkeiten mit sich selbst…
Rezas Stück ist ein wunderbar, leichter, ironischer Kommentar zur Gegenwart und der nun wirklich nicht neuen Frage: Wer bin ich eigentlich? Gespielt von einem wunderbaren Ensemble mit Michael Rotschopf (der Mackie Messer unserer gefeierten „Dreigroschenoper“), Johanna Christine Gehlen (gerade gefeiert in der Komödie „Das perfekte Geheimnis“), Dennis Svensson (der als „Sohn“ im gleichnamigen Stück von Florian Zeller auf sich aufmerksam machte), Nabil Pöhls und nicht zuletzt Mechthild Großmann (u.a.die Staatsanwältin des Münsteraner „Tatorts“), die zum ersten Mal nach langer Zeit wieder in Hamburg auf der Bühne steht.
Mit
Johanna Christine Gehlen, Mechthild Großmann, Nabil Pöhls, Michael Rotschopf, Dennis Svensson
Deutsch von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel
Regie: Ulrich Waller | Bühne: Raimund Bauer | Kostüme: Ilse Welter | Musik: Hans P. Ströer
Premiere
19. Februar 2024
Dauer
ca. 90 Minuten, keine Pause

Pressestimmen
Die Dramatikerin Yasmina Reza erforscht in „James Brown trug Lockenwickler“ unterhaltsam die Schmerzgrenzen problematischer Identitätsfindungen und gesellschaftlicher Toleranz. Mechthild Großmann glänzt im St. Pauli Theater als robuste Psychiaterin aller Nervensägen, an der Spitze eines starken Ensembles, das das behutsam erzählende und erzählte Drama in einen poetischen, streckenweise märchenhaften Theaterabend übersetzt…. Queer oder nicht queer, und wo liegen die (Schmerz)grenzen, wenn sich eine Person erfindet – das ist hier keine Frage, sondern Yasmina Reza weitet die Fragestellung über die Zeichnung ihrer Figuren auf Jederfrau und Jedermann aus.
Die Welt
Yasmina Rezas „James Brown trug Lockenwickler“ ist am St. Pauli Theater eine eher zarte als übertrieben scharfe Gesellschaftskomödie. Das Stück ist lustig, lustig macht sich das Stück nicht. Das liegt an der Gelassenheit des Ensembles mit Dennis Svensson und Nabil Pöhls als Celine und Philippe. Wenn Johanna Christine Gehlen und Michael Rotschopf als Celines/Jacobs Eltern auftauchen, clasht die gesellschaftliche Erwartung auf die skurrile Realität. Und Mechthild Großmanns vom Fernsehen bekannte Lakonik ist hier in der Rolle der Psychiaterin noch ausgebaut.
Hamburger Abendblatt
Das Pfund der Aufführung ist das fabelhafte 5-köpfige Ensemble. Mit Dennis Svensson als Celine Dion. Dennis Svensson sitzt da, mit langen Locken, strahlend, Glitzerkleid, ein Star. Er spielt wundervoll, weil er die Figur in keiner Sekunde verrät oder vorführt – sondern ihr eine innere, fluide Schönheit gibt. Jacobs Geschlecht wird zur Frage der Wahl. Man nimmt es ihm ab…. Dem Abend gelingen so zauberhafte Szenen voller Poesie.
NDR 90,3
Der Inhalt von Yasmina Rezas neuem Stück über Identitätsfragen klingt etwas überdreht und ziemlich lustig. Rezas Theater will Komödie sein, plädiert dabei aber für eine ‚emanzipatorische Freiheit‘. Kurz: Sei, wie du bist. Und in dieser Identität setzt Regisseur Ulrich Waller das Stück schön in Szene mit einer effektvollen Parklandschaft von Raimund Bauer und einem feinen Ensemble. So bietet ’James Brown…‘ gute Unterhaltung mit einer sympathischen Haltung.
Hamburger Morgenpost
„Yasmina Rezas neues Stück ist reich an poetischen Metaphern und zugleich ein ebenso tiefgründiger wie unterhaltsamer Kommentar zur aktuellen Diskussion um Identitäten.
Die Grenze, ab wann Verhaltensabweichungen noch tolerabel sind und ab wann sie als pathologisch gelten, lässt Reza in ihren klugen Dialogen verschwimmen. Regisseur Ulrich Waller setzt das fünfköpfige Ensemble mit einem untrüglichen Gespür für die Nuancen des Textes in Szene. Großartig: Dennis Svensson, der Celine/Jacob mit lässiger Selbstverständlichkeit verkörpert.“
Szene Hamburg
„…In Hamburg ist ziemlich viel ziemlich anders. Tatsächlich gibt sich Ulrich Waller und sein Team alle erdenkliche Mühe, nicht in jene Oberflächlichkeit abzugleiten, die immer mal wieder die Schmerz-Kerne im Werk der iranisch-französischen Schriftstellerin zu überdecken drohte. Der Text agiert nahezu fragmentarisch, wie Schnappschüsse mit der Kamera – dafür findet Raimund Bauer, wie schon so oft der Bild-Zauberer auf der Reeperbahn, erstaunlich einfache, aber enorm wirksame optische Lösungen. Ilse Welter, der gute Kostüm-Geist von Sankt Pauli, verpackt die fünf Spielerinnen und Spieler markant – Jacob (Dennis Svensson) sehr feminin und mit langem Blondhaar, Philippe (Nabil Pöhls) so alltäglich, dass die Sehnsucht nach Schwärze verständlich wird; Pascaline und Lionel (Johanna C. Gehlen und Michael Rotschopf) sind elegante Eltern – auch wenn der Papa sich vor lauter Schuldgefühl gelegentlich das Hemd vom Oberkörper reißt. Extrem sachlich und kühl analysiert derweil Mechthild Grossmann den Stand der psychiatrischen Verstörungen (oder Verklärungen) der jungen Männer. Aber auch die Eltern behält Frau Doktor im Blick. Ulrich Wallers Inszenierung nimmt all diese Absonderlichkeiten ernst, stellt nicht aus; absurd und aufgesetzt komisch ist hier nichts und niemand. Eher zum Verzweifeln alltäglich …“
Michael Laages
Kritiker für Deutschlandradio, nachtkritik, die deutsche bühne
Abdul Kader Chahin
Abdul Kader Chahin
EHRENLOS
„Ehrenlos“ ist Abdul Chahins neue Comedy-Tour. Nachdem das erste Programm „Achte Jetzt!“ ein voller Erfolg war, liegt der Fokus der neuen Tour woanders.
Und zwar bei euch! Thema Dating, Bundestag, Feiern und Sprache. Komische Themenzusammenstellung? Ist auch ein komischer Typ.
Chahin geht bei der neuen Tour auf Mutter. Von jeden. Einfach Ehrenlos aber vielleicht auch mehr als das? Chahins Blickwinkel auf Themen und Beobachtungen ist meistens anders. Meistens tiefgründig. Oft aber auch einfach Ehrenlos.
„Wer sich keine Karten kauft ist Ehrenlos!“
Abdul Kader Chahin
Termin
13. Mai 2027
Beginn: 19.30 Uhr
Preise
24 € und 34 €




































