Anspruchsvolles Theater auf dem Kiez

Das St. Pauli Theater ist nicht nur das älteste Privattheater der Stadt, sondern eines der ältesten Theater Deutschlands überhaupt. Das unter Denkmalschutz stehende Haus und der ebenfalls geschützte Zuschauerraum zeichnen sich durch seine besonders intime Atmosphäre aus.

Nach einer knapp dreißigjährigen Epoche als fast reiner Gastspielbetrieb hat sich das Haus vor elf Jahren unter der Leitung von Thomas Collien und Ulrich Waller neu positioniert. Trotz eines schwierigen Umfelds – außerhalb der früheren Stadtmauern von Hamburg und Altona auf St. Pauli angesiedelt, muss es sich zwischen Eventgastronomie und erotischen Straßenangeboten behaupten. Das St. Pauli Theater versteht sich heute als ein modernes Volkstheater, das mit Eigen- und Co-Produktionen sowie ausgesuchten Gastspielen versucht,  immer wieder auszuloten, wie intelligent Unterhaltung sein kann auf dieser Meile. Das Konzept fußt auf sechs Säulen:

6 Säulen

Klassische und neue Stücke aus dem Repertoire des  anspruchsvollen Unterhaltungs-Theaters. Das Vorbild Broadway oder Westend wird dabei ganz bewusst immer wieder gesucht, etwa mit „Endstation Sehnsucht“ (Regie: Wilfried Minks u.a. mit Ben Becker, 2007), oder „Der Bittere Honig“ (Regie: Peter Zadek mit u.a. mit Eva Mattes und Julia Jentsch, 2006), „Arsen und Spitzenhäubchen“ (Regie: Ulrich Waller, u.a. Angela Winkler, Eva Mattes und Uwe Bohm, 2009), „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ (Regie: Ulrich Waller, u.a. mit Ben Becker und David Bennent , 2010), „Tod eines Handlungsreisenden“ (Regie: Wilfried Minks, mit Burghart Klaußner als Willy Loman, 2012), „The King’s Speech“ als deutsche Erstaufführung (Regie: Michael Bogdanov, u.a. mit Marcus Bluhm und Boris Aljinovic, 2012), „Waisen“ als deutschsprachige Erstaufführung (Regie: Wilfried Minks, mit Uwe Bohm, Johann von Bülow und Judith Rosmair, 2013), oder „Constellations“ (Regie: Wilfried Minks, mit Johann von Bülow und Judtih Rosmair, 2014).  Das St. Pauli Theater ist so ein Ort, in dem – wie im Kino – ohne Scheu vor großen Gefühlen, Geschichten erzählt werden, die das Publikum berühren. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht immer der Schauspieler, zu dem das Publikum durch die Architektur des Hauses eine ganz besondere Nähe haben kann, was – anlog zum Fußball am Millerntor – das besondere St. Pauli-Gefühl ausmacht. Zu diesem Programmteil gehören natürlich auch die Stücke der französischen Autorin Yasmina Reza, der erfolgreichsten Gegenwartsautorin überhaupt, die wie keine zweite komisch und böse sein kann. Die Neufassung von „Kunst“ (mit Peter Jordan, Hans Löw und Stephan Schad) ist seit 2006 weiter im Spielplan, im Winter 2008 kam „Der Gott des Gemetzels“ (mit Herbert Knaup, Barbara Auer, Anne Weber und Rudolf Kowalski) hinzu, 2013 inszenierte Ulrich Waller Rezas „Ihre Version des Spiels“ (u.a. mit Hannelore Hoger und Volker Lechtenbrink). Das Stück „Die Wahrheit“ des französischen Autor Florian Zeller feiert hier umjubelte deutschsprachige Erstaufführung (Regie: Ulrich Waller, mit Herbert Knaup, Leslie Malton Thomas Heinze und Johanna Christine Gehlen), 2011, ebenso wie die deutschsprachige Erstaufführung „Eine Stunde Ruhe“ (Regie: Ulrich Waller, u.a. mit Herbert Knaup, Thomas Heinze, Leslie Malton und Johanna Christine Gehlen) 2015. In der Spielzeit 2014 /2015 gehen dessen Stücke „Der Vater“  sowie „Hinter der Fassade“ – ebenfalls als deutschsprachige Erstaufführungen – hier über die Bühne.

Stücke, mit oder ohne Musik, die den besonderen Focus Hamburg haben. Dazu gehören die St. Pauli-Revue „Auf der Reeperbahn“ (u.a. mit Peter Franke und Gerhard Garbers, 2003), die Uraufführung des „Lord von Barmbeck“ (mit Ulrich Tukur, 2005) oder die szenischen Kiez-Liederabende von Franz Wittenbrink. „Lust“ (2006), spielt in einer Tabledance-Bar auf St. Pauli, es folgte „Nacht-Tankstelle“ (2008), welches den Heiligabend an der legendären Esso-Tankstelle  – die es jetzt nicht mehr gibt – ein paar Meter vom St. Pauli Theater entfernt, schildert, und „Ricky – ein Boxer aus St. Pauli“ (2012), in dem das Boxer-Milieu der Kiezkneipe „Zur Ritze“ als Vorlage dient. Die Geschichte des Hamburger Rockidols Udo Lindenberg wurde unter der Regie von Ulrich Waller als Koproduktion mit dem Unternehmen Stage Entertainment unter dem Titel „Hinterm Horizont“ im Berliner Theater am Potsdamer Platz im Januar 2011 herausgebracht. 2013 wurde im St. Pauli Theater das Hamburg-Musicals „Linie S1“ (Regie: Ulrich Waller, u.a. mit Anneke Schwabe und Luk Pfaff) uraufgeführt, 2015 folgt dann, wieder unter der Regie von Ulrich Waller, „Hamburg Royal“ und 2017 das musikalische Kiez-Märchen „Große Freiheit Nr. 7“ mit Volker Lechtenbrink in der Rolle des Johnny Kröger.

Musiktheaterproduktionen, die Texte und Stoffe auf die Bühne bringen, die auch die deutschen Wurzeln dieses Genres verfolgen und sich schon durch die Umsetzung mit Schauspielern von genormten amerikanischen Musical-Produktionen unterscheiden. Die erfolgreichsten Produktionen waren „Die Dreigroschenoper“ (Regie: Ulrich Waller u.a. mit Ulrich Tukur, Christian Redl, Stefanie Stappenbeck, Eva Mattes und Angela Winkler, 2004), „Cabaret“, (Regie: Ulrich Waller u.a. mit Gustav Peter Wöhler, 2005), die Wechseljahre-Revue „Heiße Zeiten“ (Regie: Gerburg Jahnke, 2010) oder „Anatevka“ (Regie: Ulrich Waller, mit Gustav Peter Wöhler als Milchmann Tevje, 2011) oder die Integrations-Revue „WILLKOMMEN – Ein deutscher Abend von Franz Wittenbrink (2016).

Kabarett und Comedy haben im St. Pauli Theater schon lange einen Platz. Hier findet alljährlich das „Hamburger Kabarettfestival“ – gegründet von Ulrich Waller 1987 auf Kampnagel – statt. Das Festival ist  eines der renommiertesten und ältesten in Deutschland, bei dem sich die Stars dieses Genres wie Mathias Richling, Hagen Rether, Marlene Jaschke, Horst Schroth, Dirk Bielefeldt oder Matthias Deutschmann die Klinke in die Hand geben.

Neben diesen Gastspielen zeigt das Haus ausgesuchte internationale Musiktheater- und Theatergastspiele, die das Konzept des Unterhaltungstheaters ergänzen und bereichern und die eine weltoffene Metropole wie Hamburg mit anderen internationalen Städten verbinden.  In den letzten Jahren begeisterten u.a. die französische Produktion „Le Cirque Invisible“, „Ain’t Misbehavin““, „Rock the Ballet“ und „Tap Stars“ aus den USA, „Lady Salsa“ und „The Bar at Buena Vista“ aus Kuba“ oder Musikshows „The 27 Club“ und „Motown“ das Publikum des St. Pauli Theaters.

Um den Nachwuchs kümmert sich das St. Pauli Theater auf ganz verschiedene Weise. Zum einen gibt es die lange Tradition der Weihnachtsmärchen. Zum anderen gibt es in Kooperation mit der Theaterakademie die Reihe „Kiezstürmer“ (erstmalig 2005), bei der junge Regiestudenten mit unserer Hilfe neue Unterhaltungsformate ausprobieren. Darüber hinaus gibt es seit 2008 jährlich eine Inszenierung mit Schülern unserer Partnerschule, der Stadtteilschule am Hafen, Standort St. Pauli. Ziel des Projektes ist, Schüler der fünften bis neunten Klasse gezielt und unter professioneller Leitung ans Theater heranzuführen. Dieses Theater-Tanz-Musikprojekt soll ihnen die Möglichkeit bieten, eigene Stärken zu entdecken, Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich in einer ganz ungewohnten Weise öffentlich zu präsentieren.

Das St. Pauli Theater will also ganz bewusst kein privates Staats- oder Stadttheater sein mit einem Spielplanangebot, das genauso im Schauspielhaus oder im Thalia gezeigt werden könnte. Die Umgebung, die Nachbarschaft zur Davidwache und der raue Wind der Reeperbahn erzwingen eine bestimmte programmatische Ausrichtung. Die Stücke müssen hier robust sein, populär, ohne auf Populismus zu schielen. Intelligente Unterhaltung auf höchstem Niveau, mit den besten Schauspielern (die sich heute oft nicht mehr fest an ein Theater binden, aber trotz ihrer Film- und Fernseharbeit weiter auf der Bühne spielen wollen), Komikern und Musikern und dazu der programmatische Schwerpunkt Hamburg machen es unverwechselbar in der Hamburger Theaterszene.

Es gibt in Deutschland kein vergleichbares Theater, das dieses Spektrum an verschiedenen Spielformen von intelligenter Unterhaltung beherbergt, in dem die Grenzen zwischen U- und E-Kultur auf so spielerische Weise verschwimmen und in dem es immer wieder gelingt, die, in angelsächsischen Ländern undenkbare, Verachtung der Unterhaltung als Kunst auf so elegante Art zu korrigieren.

Das St. Pauli Theater versteht sich als Lokomotive für den Imagewandel dieses lange Zeit vernachlässigten Stadtteils. Inmitten von Häusern, die hauptsächlich durch den Busbetrieb mit Touristen von außerhalb existieren, begreift es sich als Hamburger Theater für Hamburger, selbstverständlich natürlich auch für auswärtige Gäste. Es versucht bewusst an die große Tradition dieser Theatermeile anzuknüpfen, die bis zur Nazizeit hier existiert hat.

Seine Konzeption und eine ganze Reihe von Eigenproduktionen, die in der Presse auch bundesweit sehr viel Aufmerksamkeit fanden, haben das St. Pauli Theater auch überregional schnell bekannt gemacht. Durch viele Gastspiele, u.a. auch in Italien wo das deutsch-italienische Regieteam Ulrich Waller, Dania Hohmann und Mateo Marsan „Albicocche rosse“, einen Abend über ein Massaker deutscher Soldaten in einem toskanischen Dorf, sowie „La grande Gelata“ die Geschichte der Einwanderungswelle aus Italien nach Deutschland in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erzählt, ist es dabei auch zu einem Botschafter Hamburgs geworden.

Bestuhlung

Plätze gesamt: 533 ohne Vorbühne, 511 mit Vorbühne
Parkett: 320 ohne Vorbühne, 298 mit Vorbühne
I. Rang: 98 mit und ohne Vorbühne
II. Rang: 115 mit und ohne Vorbühne

Bühnenhaus

Breite: 13,5m
Höhe: 10,50m
Tiefe: 7,00m ab 0-Linie, 8,60m ab EV

Bühnengrundfläche: 116 m²

Bühnenspielfläche

Breite: 6,80 m
Höhe: 5,00 m
Tiefe: 7,00 m ab 0-Linie plus max. 4,00m Vorbühne
Bühne / Saal Höhe: 1,13m, Orchestergraben eingedeckelt

Technik

Stromanschlüsse auf der Bühne vorhanden:
Rechts 1 x 63 A CEE, 1 x 32 A CEE
Links 1 x 32 A CEE
Div. 16 A Schuko-Steckdosen einzeln abgesichert

Alle aufgeführten Drehstromanschlüsse befinden sich auf Bühnenniveau.

Technische Zeichnung: Download als PDF
Tonbestand: Download als PDF

CAD-Zeichnung auf Anfrage über
backstage@st-pauli-theater.de

Stadtteilschule am Hafen, Standort St. Pauli und St. Pauli Theater

Die Stadtteilschule am Hafen Standort St. Pauli liegt in einem von Hamburgs Problembezirken mit hohem Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund. Und sie liegt fußläufig zum St. Pauli-Theater.

Seit 2009 besteht die Zusammenarbeit und jedes Jahr wird ein Theaterprojekt mit den Schülern erarbeitet unter der professionellen Leitung der Regisseurin Dania Hohmann und ihrem Team, das aus einer Bühnenbildnerin, einer Kostümbildnerin, einem Choreographen, einem musikalischen Leiter und professionellen Musikern besteht.

Nach dem „Hamlet auf St. Pauli“-Projekt 2009 und der Produktion „Die heilige Johanna von der Davidstraße“ mit Schülern der Ganztagsschule St. Pauli im Rahmen der Initiative „Kultur bewegt“ der Stiftung „Maritim“ hat die Regisseurin Dania Hohmann und die Ganztagsschule St. Pauli mit „Othello in der Hafenstraße“ 2011 ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fortgesetzt, dieses Mal als ein Projekt im Rahmen von Tusch. Die zweite Arbeit im Rahme von Tusch auch wieder mit der Unterstützung der Nordmetallstiftung und der Hamburgischen Kulturstiftung war 2012 „Maria Stuart auf der Großen Freiheit“. Die Textgrundlage war das Drama „Maria Stuart“ von Schiller.

Für das Projekt 2013 wurde das Genre gewechselt: Orson Welles Radioklassiker, der erste Reality-Radio-Schocker über den Angriff der Marsianer auf die Erde aus den 30er Jahren war die Vorlage für das Schultheater-Projekt. 2014 kehrte Dania Hohmann zu Shakespeare zurück: „Romeo und Julia auf der Reeperbahn“. Im Projekt 2015 beschäftigte sich die Truppe mit „Peer Gynt“ und es wurde „Peer Gynt vom Hamburger Berg“: Ibsens Drama um den notorischen Lügner „Peer Gynt“, der er sich mit seinen erfundenen Geschichten eigene Welten baut – mit Trollen und Dämonen. Im Projekt 2016 ging es um einen Kinderbuchklassiker: „Alice im Wunderland“. Es ist ein Text voller Anspielungen auf die Schule, auf die Erwachsenen, eine Reise in eine phantastische Welt, in der fast alles möglich erscheint.

Dania Hohmann und ihr Team haben sich 2017 und 2018 weitere Kinderbuchklassiker vorgenommen: 2017 war es „Momo“ nach Michael Ende. Mit den 11-16-jährigen Jugendlichen der Stadtteilschule am Hafen, Standort St. Pauli erkunden sie das Thema Zeit mit Szenen und Situationen aus dem Buch, mit Choreografien, und mit heutigen Popsongs. 2018 wurde „Krabat“ von Otfried Preußler erarbeitet.

Die Projekte sollen Schülern der 6. -10. Klasse unter professioneller Leitung an das Theater heranführen mit dem Ziel einer Aufführung, die auf der Bühne des St. Pauli Theaters gezeigt wurde. Diese Projekte sollen den Schülern die Chance geben, eigene Stärken zu entdecken, Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich in einer ganz ungewohnten Weise öffentlich zu präsentieren. Durch die langjährige Zusammenarbeit, ist es den Schülern möglich mehrere Jahre an der Theaterarbeit teilzunehmen und man kann bei vielen Schülern eine positive Entwicklung sehen.

Das Ziel, neue Lebensperspektiven für die Schüler zu eröffnen, wird dabei sicher erreicht, das zeigen auch die Auswertungsgespräche nach der jeweiligen Premiere in der Schule: Alle Schüler haben sich auf eine berührende Art für diese ungewöhnliche Erlebnisse bedankt und möchten fast alle an weiteren Projekten dieser Art teilnehmen.

2019 wird das neue Projekt „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes nicht mehr als Teil der Kooperation Tusch stattfinden, sondern mit der Unterstützung der Bürgerstiftung und der Hamburgischen Kulturstiftung.

 

 

 

 

 

 

Am 30. Mai 1841 hebt sich das erste Mal der Vorhang des „Urania-Theaters“ auf der Reeperbahn. Das neue Theater (es hatte damals fast 1000 Plätze) ist von seinen Erbauern als repräsentatives Schauspielhaus der Vorstadt St. Pauli gedacht. Doch nur drei Jahre später ist es trotz großen Publikumszuspruchs fast schon wieder am Ende. Die Eigentümer gründen eine Aktiengesellschaft, mit deren Hilfe das Theater weitermachen kann. So wird am 23. Mai 1844 aus dem „Urania-Theater“ das „Actien-Theater“.

1863 wird das Haus versteigert. Der neue Besitzer, Carl J.B. Wagner, übernimmt selbst die Direktion. Aus dem „Actien-Theater“ wird das „Varieté-Theater“. Wagner bringt als erster hamburgische Lokalstücke auf die Bühne. Das Hamburger Publikum ist begeistert und schließt das Haus am Spielbudenplatz endgültig in sein Herz. Liebevoll wird es – in Abwandlung des richtigen Namens – „Warmtee-Theater“ genannt. Für wenig Geld kann man sich hier einen Abend köstlich amüsieren. Das einfache Volk steht auf der „Prüüntje-Böhn“ (für Nichteingeweihte dem „Kautabak-Boden“), also im 2. Rang unterm Dach. Das Geschehen auf der Bühne wird nicht selten für bare Münze genommen, und lauthals wird sich bei passender und unpassender Gelegenheit in das Geschehen eingemischt.

Mit Ernst Drucker, der das Theater von 1884 bis 1918 führt, beginnt eine Blütezeit im nach ihm benannten Haus. Volksstücke in plattdeutscher Sprache werden jetzt fester Bestandteil des Spielplans. Den Sensationserfolg beschert ihm ein Udel der benachbarten Davidwache, der Polizeiwachtmann Julius Schölermann . Außerhalb seiner Dienstzeit hat er eine Lokalposse mit dem Titel „Familie Eggers oder eine Hamburger Fischfrau“ verfasst. Der Protagonist, Theodor Eggers, wird als „Thetje mit die Utsichten“ zu einer populären Hamburger Figur. Drucker wagt sich aber auch an anspruchsvollere Stoffe, 1898 geht hier die Hamburger Erstaufführung von Ibsens „Die Frau vom Meer“ über die Bühne; weitere Stücke von Ibsen und Hauptmann folgen.

Als Ernst Druckers 1921 stirbt, kauft Siegfried Simon, bis dahin Chef des Flora-Theaters am Schulterblatt, das Theater. Auch der neue Direktor hat ein Händchen für die richtigen Stücke und die zum Haus passenden Schauspieler und Autoren. Nach seinem frühen Tod 1924 übernimmt seine Frau, Anna Simon, die Leitung. Die legendäre „Zitronenjette“ von Paul Möhring betritt die Bühne – und mit insgesamt 859 Aufführungen wird sie einer der größten Erfolge in der Geschichte des Hauses.

Während der Ära Simon erhält das Ernst-Drucker-Theater auch seinen heutigen Namen. Als zur Feier des 100jährigen Bestehens 1941 eine Festschrift erscheint (mit Grußworten von Emmy Göring und Heinrich George), stößt den Nazis plötzlich auf, dass Ernst Drucker Jude war. Die Festschrift wird eingestampft und das Haus noch vor der Feier kurzerhand in „St. Pauli Theater“ umbenannt.

Im Januar 1970 wird wieder eine glanzvolle Premiere gefeiert werden kann. Und wieder ist es eine Familie, die das St. Pauli Theater durch die Klippen zwischen Kunst und Kommerz manövriert. Der Senior, Kurt Collien hat sich als erfolgreicher Konzertveranstalter und Theaterleiter seit den 30er Jahren einen Namen gemacht. Das Musical „Der Junge von St. Pauli“, mit Freddy Quinn in der Hauptrolle, wird gleich ein Hit. Nach wie vor amüsieren sich die Zuschauer über Schwänke und Volksstücke wie „Perle Anna“ , die „Zitronenjette“ oder „Meister Annecker“ mit Publikumsliebling Henry Vahl.

Bis in die 80er Jahre ist das Haus am Spielbudenplatz mit niederdeutschem Mundarttheater erfolgreich. Doch die Zeiten ändern sich. Der Wechsel vollzieht sich mit Michael Collien, der frühzeitig erkennt, das eine zweite niederdeutsche Bühne neben dem Ohnsorg-Theater sich langfristig nicht halten kann. Er weicht auf Boulevardtheater mit Stars wie Elke Sommer, Gunther Philipp und Willy Millowitsch aus. Und erstmals wagt er sich auch an englischsprachige Produktionen wie „Scarlatti’s Birthday Party“ oder „Little Shop of Horrors“, die die Hamburger begeistern.

Thomas Collien, die mittlerweile dritte Generation, bringt dann neue Formen der Unterhaltung, wie Comedy und Kabarett, sowie internationale Tanz- und Musikshows ins Haus. Produktionen wie „Gumboots“, „Lady Salsa“ oder „Rock the Ballet“ feiern hier Deutschland-Premiere.

2003 positioniert sich das Haus wieder einmal neu. Der Regisseur Ulrich Waller, der zusammen mit dem Schauspieler Ulrich Tukur acht Jahre lang erfolgreich die Kammerspiele geführt hat, wechselt zu Thomas Collien an den Spielbudenplatz. Der Neustart glückt – die beiden unterschiedlichen Theatermacher begeistern ihre Zuschauer nun in der 15. Spielzeit.

Am 30. Mai 2016 feiert das St. Pauli Theater einen ganz besonderen Geburtstag. Das 175. Jubiläum wird mit einer großen Gala mit Ulrich Tukur & den Rhythmus Boys, Esther Ofarim, Gustav Peter Wöhler und Band, Stefan Gwildis, Bill Ramsey und Band sowei dem Kabarettisten Mathias Richling in der Laeiszhalle gefeiert.

Anlässlich dieses runden Geburtstages wird das Haus – erstmals in der langen Geschichte des Hauses – im Sommer geschlossen und rundum saniert.

Am 5. September 2016 findet dann im frisch renovierten Haus die Eröffnungsgala zur neuen Spielzeit statt.

Historisches Detail 2018 © Toni Momtschew