Angela Winkler

Angela Winkler

Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre…

„Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre…“ Dieses berühmte Lied von Friedrich Holländer und Friedrich Liebmann ist der Titel und das Motto des lang erwarteten, neuen Liederabends von Angela Winkler mit Liedern und Chansons von u.a. Bert Brecht, Hildegard Knef, Marlene Dietrich, Barbara, Joan Baez, Willi Schmid, Richard Heymann, Franz Schubert u.a.. Kurz nach ihrem fast unglaublichen 80. Geburtstag möchte sie das Publikum mitnehmen in die Welt ihrer Lieblingslieder. Lieder, die sie ihr Leben lang begleitet haben. Und so spannt sich der Bogen von Schuberts „Lindenbaum“, über Dietrichs „Und wenn er wiederkommt“ und Brechts „Marie A.“ bis zu „Sag mir, wo die Blumen sind“, mit dem Angela Winkler als junges Mädchen einmal einen Joan Baez-Wettbewerb gewonnen hat. Matthias Stötzel hat die Arrangements geschrieben und begleitet sie am Flügel, zusammen mit der Geigerin Rebecca Borchert.

Nach der Voraufführung im Kieler Schauspielhaus schrieb Ruth Bender in den Kieler Nachrichten:

„Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre`, das hat meine Mutter immer wieder gesungen, auch als die Finger krumm und die Hände rheumatisch wurden“, bringt Angela Winkler ihre Mutter ins Spiel. Und singt weiter: „Auch um den Vater zu ärgern: Ich glaub, ich gehöre nur mir ganz allein.“ Schelmisch fragend klingt das Fazit des Songs bei ihr, mit diesem kleinen, aber unüberhörbaren Aufbegehren in der Stimme. Sowieso mag sie die aufmüpfigen Lieder. So wie das übermütig voranpreschende Volkslied von den Mädchen mit ihren lockenden Röcken. Das Sehnsuchtschanson von Barbara, die fragend fordert: „Sag, wann bist du bei mir?“ „Das hat so’n Trotz, der mir gefällt“, sagt Angela Winkler und lässt im Mädchenhaften den Kobold aufblitzen.

Alles wirkt leicht bei ihr, auch das Schwere. Auch das vorwitzig walzernde „Daisy“ passt dazu mit seiner Liebesfrage. „Das musste ich in jeder Produktion von Bob Wilson singen“, erzählt sie, „seine Mutter hat es ihm vorgesungen.“ So erfährt man auch einiges über die Macht der Kindheitslieder und wie sie sich durch die Generationen weitertragen an diesem Abend zwischen Singen und Erinnern, Chanson und Volkslied. Matthias Stötzel ist der Mann am Klavier, der dazu den eleganten Salonton trifft, und mit Geigerin Rebecca Borchert die melancholisch flirrende Unterlage für Winklers lichten, zuweilen schön angeschrammten Gesang schafft.

Es ist ein fröhlich-sentimentaler Erinnerungsabend, an dem die Schauspielerin eintaucht in Leben und Lieder, ganz bei sich und doch ihrem Publikum, das sich mit stehendem Applaus bedankt, ganz zugewandt.“

Mit: Angela Winkler

Musikalische Leitung und am Flügel: Matthias Stötzel

Geige: Rebecca Borchert

Eingerichtet von: Ulrich Waller

Premiere

26. Oktober 2024, Beginn 19.30 Uhr

Weiterer Termin:

31. Oktober 2024, Beginn 18.00 Uhr

Preise

15 € bis 39 €

Schüler/innen, Auszubildende und Studierende: 50% Ermäßigung auf den Kartennettopreis

Dauer

ca. 75 Minuten, keine Pause

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Rainald Grebe

Rainald Grebe

Das Foreveryoungkonzert

Rainald Grebe fällt in ein Zeitloch und folgt einem rosa Kaninchen. Es sieht blutjung aus. Er sitzt immer noch am Klavier.
Das siebte Solo -tick tick- das achte Weltwunder- tick- die dritten Zähne- tick – dass ich das noch erleben darf , und ewig grüßt das Murmeltier, Zeitschleife, Zeitumstellung, Zeit für Brot, ich bin uralt, ich bekomme jetzt Preise für mein Lebenswerk, eben war ich noch Newcomer, ich bin ich, ich bin: 52/ 14/ 95, bitte ankreuzen- tick- aber man ist so alt wie man sich fühlt- tick- ich fühl mich wie 102 -tick- seh aber jünger aus- tick- ich bin sterbenskrank geworden hatte Schlaganfälle und ging am Rollator, dem feinen Kassengestell- tick-und rollerte durch Berlin/ durch Brandenburg/ durch die ewigen Jagdgründe, und dachte, ich sterbe vor meinen Eltern, manchmal denk ich, ich bin schon tot, ich schau nochmal kurz auf der Erde vorbei, ein Besucher, und kuck, was die Menschen so treiben- tick- überhaupt die jungen Leute- tick- sind jetzt in der Mehrheit – tick- sie siezen mich. Welche Generation bin ich? Generation 27 68 89? X y z? Ich bin Generation Gleichzeitig, Generation Püree, Generation nurzuBesuch. Ich bin noch da. Und will noch bleiben. Ich versuch alles, um jung zu wirken, im Selbstversuch, ich will dazugehören zur werberelevanten Zielgruppe von 13-79. Ich geh zum Schönheitschirurgen, zur Kryotherapie, mache Abnehmen- im -Liegen, lasse mir Fettzellen grossflächig mit Starkstrom zerstören, ich siede Seife aus meiner Plauze, ich mach mich auf den Weg zur ewigen Jugend. Wenn wir uns sehen, trag ich ´Windeln und hab Brei an der Backe. Meine Beerdigung im Kreißsaal.

“ein mega Programm” (Apothekenumschau)

Termin

24. September 2024

Beginn: 19.30 Uhr

Preise

24 € und 34 €

Dauer

folgt in Kürze!

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Moritz Neumeier

Moritz Neumeier

Was soll passieren?

Naja, und dann sitzt man da und schreibt schon wieder einen Programmtext.
Worum geht es in „Was soll passieren?“?

Um Nazis, Widerstand, Angst vor der Zukunft, Morddrohungen, Freund*innen, Therapie, Privilegien, Anarcho-Syndikalismus, Kinder, keine Kinder, Kapitalismus, Versagen, Mut, Veränderung, Anstand und so.

Aber in lustig. Also in dermaßen lustig, dass man sich den Bauch halten muss vor Lachen. Manchmal schluckt man vielleicht auch kurz und fragt sich, ob der da oben auf der Bühne das ernst meint. Aber dann fällt einem wieder ein, dass das ja immer noch eine Stand-Up Comedy Show ist und dann lacht man wieder beruhigt und hört den Geschichten zu.

Es ist das neunte abendfüllende Programm von Moritz Neumeier – der wird schon wissen, was er da oben tut. Ist ja immerhin sein Beruf. Hat ja auch Preise
und so gewonnen – wird also schon alles gut gehen hier.

Außerdem sind die meisten von uns hier im Publikum links und weiß und nicht arm und aufgeklärt und leben in einer Demokratie und lesen Zeitung. So schlimm wird das alles hier schon nicht werden.
Oder?

Was soll passieren?

Was soll passieren!

Termine

6. bis 8. Mai 2025

Beginn: 19.30 Uhr

Preise

30 € und 34 €

Schüler/innen, Auszubildende und Studierende: im Vorverkauf 50% Ermäßigung auf den Kartennettopreis

Dauer

folgt in Kürze!

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Die Carmen von St. Pauli

Die Carmen von St. Pauli

von Peter Jordan & Leonhard Koppelmann
Mit der Originalmusik von Georges Bizet

Info

Nach dem großen Erfolg Ihrer Inszenierung von Brechts Klassiker „Die Dreigroschenoper“ wagt sich das Regie-Duo Peter Jordan und Leonhard Koppelmann an einen weiteren Klassiker: die Geschichte von „Carmen“.

Mit der Originalmusik von Bizet und auf der Basis von Motiven des gleichnamigen Stummfilms von 1928 von Erich Waschneck und Bobby E. Lüthge wird die Geschichte des berühmten Mädchens aus der Zigarettenfabrik in das Milieu des Hamburger Hafens verlegt.

Carmen heißt jetzt Jenny Hummel und ist wie das Original ein Mädchen mit schwierigem Umgang. Auf St. Pauli schwingt sie in einer schummerigen Hafenkneipe das Tanzbein und verdreht den Männern den Kopf, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dazu unterstützt sie eine berüchtigte Schmugglerbande, die „Hamburger Hafenratten“ bei ihren nächtlichen Raubzügen im Hamburger Hafen. Bei einer dieser Aktionen wird sie von einem anständigen Seemann erwischt, der sich von ihrer Schönheit und ihrer Chuzpe betören und sie laufen lässt und damit seinen Job riskiert.

Als sie sich am nächsten Tag wieder treffen, ist das der Anfang einer verhängnisvollen Affaire. Er verliert nicht nur seine Braut, die bei der Heilsarmee arbeitet, sondern auch seinen Job beim einflussreichsten Reeder der Stadt, der aber auch selbst zunehmend in dunkle Geschäfte verwickelt ist.

In diesem neuen Ambiente, in das auch zeitgeschichtliche Bezüge, wie der Aufstieg der Nazis hineinragen, verliert der Stoff, getragen von der traumhaften Musik von Bizet nichts von seiner wilden Mischung von Milieuschilderung, Dramatik und schicksalhafte Tragik und wird – ganz ähnlich wie „Cabaret“ – zu einem prallen Sittengemälde am Ende der 20er Jahre. Und ob am Ende die Titelfigur wirklich sterben muss, ist bei Peter Jordan und Leonhard Koppelmann noch nicht entschieden.

Die Carmen von St. Pauli wird gespielt von einem Ensemble von acht Schauspielern/Schauspielerinnen, die alle ausgewiesene Sänger sind und einem Tanz-Ensemble, das – wie bei der „Dreigroschenoper“, auch alle kleinen Rollen übernimmt.

An der Spitze: Anneke Schwabe, die „Polly“ der „Dreigroschenoper“ und „Sally“ aus „Cabaret“ als männerverwirrende Frau zwischen dem James-Bond-Darsteller Götz Otto als Reeder „Rasmussen“ und Holger Dexne als bravem Matrosen „Brand“. Daneben Nadja Petri, die „Jenny“ aus der „Dreigroschenoper“ als süchtige Reedersgattin, Stephan Schad als Nachtclub-Besitzer und Victoria Fleer als Maria, die um ihren Mann kämpfende Heilsarmeechefin.

Die Musik von Bizet wird bearbeitet und arrangiert von Matthias Stötzel und Uwe Granitza, dem bewährten Team, das schon die „Dreigroschenoper“ ganz neu zum Klingen gebracht hat.

Mit Projektionen von Meike Fehre und Filmeinspielungen des alten Stummfilms, wird der Abend ein ähnlich rasantes Tempo wie die „Dreigroschenoper“ haben und das Flair der Zeit wird sicht- und spürbar.

Die Inszenierung wurde ermöglicht durch
die freundliche Unterstützung der:

 

 

 

Schauspieler und Kreativteam

Mit: Holger Dexne, Patrick Heyn, Götz Otto, Stephan Schad, Victoria Fleer, Nadja Petri, Anneke Schwabe u.a.

Ensemble: Fabian Broermann, Marcelo Dono, Felicia Jackson, Arivd Johansson, Maya May Sian Oei, Anna Winter

Begleitet von dem 

Uwe Granitza: Musikalische Leitung, Posaune; Jan Peter Klöpfel: Trompete; Detlef Raschke: Alto Sax, Klarinette, Flöte, Bariton Sax, Piccolo; Andreas Böther: Tenor Sax, Klarinette, Flöte, EWI; Matthias Pogoda: Gitarre, Banjo, Keyboard; Stephan Sieveking: Klavier, Keyboard; Lars Hansen: Kontrabass; Helge Zumdieck: Schlagzeug, Percussion; Dulguun Chinchuluun: Korrepitition; Matthias Stötzel: Supervision, Assistenz

Regie: Peter Jordan/Leonhard Koppelmann | Musikalische Leitung: Uwe Granitza, Matthias Stötzel | Kostüme: Barbara Aigner | Grafische Animation: Meike Fehre | Choreografie: Harald Kratochwil

Termine

Voraufführungen: 12. und 13. November 2024
Premiere: 14. November

Weitere Vorstellungen: 15. November bis 1. Dezember 2024 und 8. bis 19. Januar 2025

Beginn:

12. bis 1. Dezember 2024, jew. 20 Uhr
8. bis 19. Januar 2025, jew. 19.30 Uhr, sonntags um 18 Uhr

Preise

12. bis 14.11.2024: 39,90 € auf allen Plätzen

Dienstag: 19,90 € bis 49,90 €
Mittwoch bis Donnerstag und Sonntag: 19,90 € bis 59,90 €
Freitag und Samstag: 29,90 bis 74,90 €

Schüler/innen, Studierende und Auszubildende: 50 % des Kartennettopreises

Dauer der Vorstellung

ca. 150 Minuten, inkl. Pause

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Max Hopp - Foto Tine Acke

Lächelnd durch den Ernst der Zeit

Lächelnd durch den Ernst der Zeit

Eine vergnügliche Erinnerung an Heinz Erhardt
Mit Max Hopp und Ensemble

Der große Komiker, Poet, Komponist und Musiker Heinz Erhardt hat das Lebensgefühl vieler Menschen geprägt.

Seine zart-naiven Kompositionen und Texte erzeugen einen einzigartigen Sog, voll Melancholie und Lebensfreude. Sie sind nicht nur tiefgründig amüsant, sondern immer auch Spiegel seines empfindsamen Seelenlebens sowie bemerkenswert aktuell.

Erhardt traf den Nerv eines Publikums, das in der Bundesrepublik des Wirtschaftswunders die dunklen Zeiten von Krieg und Katastrophe hinter sich lassen wollte. Seine Witze und Lieder waren und sind bis heute Allgemeingut und sorgen immer noch dafür, dass einem nicht nur vor Lachen die Tränen kommen.

Max Hopp bringt mit Unterstützung seiner Band, bestehend aus handverlesenen Berliner Musiker/innen, die witzigen, wie un- und tiefsinnigen Wortverdrehungen in einer Auswahl an bekannten Liedern, unbekannteren Klavierkompositionen, Gedichten und rührenden Geschichten neu arrangiert auf die Bühne.

Die Arrangements von Max Knoth interpretieren Erhardts melodische Jonglagen auf freche, leichtfüssige Art und bringen den Sound der 20er bis 60er Jahre elegant in die heutige Zeit.

Max Hopp, bekannt aus zahlreichen TV- und Kinoproduktionen, begann seine Karriere am Bremer Theater und war u.a. am Schauspielhaus Hamburg, der Volksbühne in Berlin und bei den Salzburger Festspielen engagiert.
Seit 2010 ist die Komische Oper Berlin seine künstlerische Heimat, wo er in gefeierten Inszenierungen von Barrie Kosky, wie Anatevka, Orpheus in der Unterwelt und Eine Frau, die weiß, was sie will zu sehen ist. Seit einigen Jahren macht er sich mit seinen frechen Inszenierungen als Opernregisseur (u.a. im Opernhaus Zürich und an der Komischen Oper Berlin) einen Namen.

Max Knoth arbeitet als Komponist, Arrangeur und Orchestrator. Er komponiert für Filme, Konzerte, Theater und Aufnahmesessions. Zusammenarbeit mit Ryuichi Sakamoto, Lou Reed, Danny Elfman, Anne-Sophie Mutter, Nils Frahm, Rachel Portman, Alan Silvestri, David Newman, Tom Tykwer, Christoph Schlingensief, Irmin Schmidt (CAN) und Carsten Nicolai | Alva Noto. Er ist seit vielen Jahren Lehrbeauftragter an der Medienakademie Darmstadt und dem BIMM Institut.

Mit

Max Hopp und Ensemble

Termin

17. Oktober 2024

Beginn: 19.30 Uhr

Preise

17 € bis 44 €

Schüler/innen, Auszubildende und Studierende: im Vorverkauf 50% Ermäßigung auf den Kartennettopreis

Dauer

folgt in Kürze!

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Wir trauern um
Franz Peschke

Wir trauern um den Dramaturgen und langjährigen Freund Franz Peschke.

(1947-2024)

Im September wäre er 77 Jahre alt geworden: der Theater-Impresario und Dramaturg, Erfinder und Ermöglicher Franz Peschke. Jetzt ist er ganz überraschend am 16.5.2024 in Weimar gestorben.

Noch in der Kammerspiele-Zeit war er auf unsere Arbeit aufmerksam geworden und mit dem Brecht-Abend „Von Augsburg nach Bilbao“ mit Ulrich Tukur lud er zum ersten Mal eine Produktion von uns ein auf den Hügel der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Das war der Beginn einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit, deren Ergebnisse auch einige spektakuläre Co-Produktionen waren, die wir uns ohne die Ruhrfestspiele als Co-Produzent gar nicht hätten leisten können, wie z.B. die Zadek-Inszenierung von „bash“ mit Judith Engel, Ben Becker und Uwe Bohm.

Nach unserem Wechsel zum St. Pauli Theater und zu Thomas Collien und dem gleichzeitigen Intendantenwechsel in Recklinghausen von Hans-Günter Heyme zu Frank Hoffmann war er es, der ganz stark auf eine Fortsetzung unserer gemeinsamen Arbeit drängte.

Und mit unserer „Dreigroschenoper“ waren wir dann auch gleich wieder im Festspielhaus. Hannelore Hoger mit “Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ folgte bald hinterher. „Cabaret“ (mit Gustav Peter Wöhler), die Zadek-Produktionen „Der bittere Honig“ mit Eva Mattes und Julia Jentzsch und Pirandellos „Nackt“, „Das letzte Band“ mit Otto Sander, „Siegertypen“ mit Uwe Bohm, Stefanie Stappenbeck und Ronald Zehrfeld, „Endstation Sehnsucht“ mit Ben Becker und Johanna Christine Gehlen, „Gott des Gemetzels“ mit Herbert Knaup und Barbara Auer, “Arsen und Spitzenhäubchen“ wieder mit Eva Mattes und Angela Winkler waren viele weitere erfolgreiche gemeinsame Arbeiten, die, wie im letzten Fall, die Premiere in Recklinghausen hatten, bevor sie nach Hamburg kamen. Und „Anatevka“ mit Gustav Peter Wöhler, „Tod eines Handlungsreisenden“ mit Burghart Klaußner und „Der Vater“ mit Volker Lechtenbrink sollten folgen. Und es kam nicht selten vor, dass das Publikum in Recklinghausen noch begeisterter war als das in Hamburg.

Manchmal entstanden auch wunderschöne Projekte durch seine Sturheit und seine unendliche Vernetzung in der Theaterszene. Es gab eigentlich kaum eine Größe, die er nicht persönlich kannte und deren Telefon-Nummer er nicht in seinem Notizbuch und später seinem Handy hatte.  Er war es, der immer davon träumte den grandiosen argentinischen Theatermagier Jerome Savary noch einmal nach Deutschland zu bringen und so entstand „Happy End“ mit Peter Lohmeyer, Anneke Schwabe, Peter Franke und Angela Winkler. Und er war es, der Barbara Nüsse und ihren Regisseur überredete „Penelope“ nochmal auf die Bühne zu bringen, in einer übermalten Version.

Aber es waren nicht nur die Abende auf der großen Bühne. Wenn er von jemand überzeugt war, unterstützte er dessen oder deren Arbeit mit Vehemenz. So entstanden im kleinen Haus die Dania Hohmann-Produktionen „Gilgi“, die von ihm initiierte Bühnenversion von „Bonjour Tristesse“ und zuletzt „Sehnsuchtsmädchen“ wieder mit Anneke Schwabe im Festspiel-Zelt.

Durch Franz Peschke und seinen Intendanten Frank Hoffmann ist das alte Band, die Gründungsnabelschnur zwischen Hamburg und Recklinghausen, also „Kunst gegen Kohle“ für uns nochmal auf eine ganz persönliche Art erfahrbar geworden. Er hat so vielen unserer Produktionen eine zweite, national beachtete Bühne gebaut. Dafür möchten wir ihm danken.

In den letzten Jahren war es ruhiger geworden. Auf den Spuren Goethes und Schillers war er nach Weimar gekommen und hatte am Ende seines Lebens nochmal begonnen zu schreiben. Es sollte ein Stück werden. Das konnte er nicht mehr vollenden.

Wir werden seine manchmal auch chaotischen Sprünge, die vielen durchtrunkenen Nächte bei unserem gemeinsamen Lieblings-Italiener Carmello, die doch unvorhersehbar wechselnden Lebensgefährtinnen, sein unbestechliches Auge und seine Loyalität vermissen.

Tschüss Franz

Ulrich Waller


Peter Pan

Peter Pan

nach J. M. Barrie
in einer Fassung von Cornelius Henne und Felix Bachmann und Musik der Band Tante Polly

Stückinfo

Mit viel Live-Musik!

Wir tauchen dieses Mal ein in die Welt der Träume, Abenteuer und unbegrenzten Möglichkeiten, wenn wir uns gemeinsam mit Peter Pan, Wendy, John und Michael Darling auf eine fantastische Reise begeben. Diese Geschichte entführt uns in das magische Nimmerland, wo Träume Realität werden – eine Welt voller Piraten, Feen und Meerjungfrauen und zu einem Jungen, der niemals erwachsen werden will – Peter Pan!

Wir entdecken dabei die Kraft der Fantasie und die Magie der Kindheit – denn Freundschaft, Mut und der Glaube an das Unmögliche sind Voraussetzung, um all die Gefahren und Abenteuer, die Peter Pan und seinen Freunden bevorstehen, zu meistern. Ihnen gegenüber steht nämlich niemand geringeres als der berüchtigte Piratenkapitän Hook und seine Bande.

Nach „Das Dschungelbuch“, „Der kleine Prinz“ und “Robin Hood” bringen Felix Bachmann und sein Team auch in diesem Jahr wieder eine starke und beliebte Figur der Kinderliteratur auf die Bühne des St Pauli Theaters – wie immer mit farbenfrohen Bildern und jeder Menge Livemusik.

Für Kinder ab 5 Jahre

Schauspieler und Kreativteam

Mit: Dominik Dittrich/Jonathan Wolters, Alice Hanimyan, Benjamin Leibbrand, Peter Neutzling, Nabil Pöhls, Stella Wiemann u. a.

Regie: Felix Bachmann | Bühne: Anna Kasten | Kostüm: Martina Müller | Musikalische Leitung: Dominik Dittrich

Kartenzum Spielplan

Termine

Voraufführungen: 23. November, 15.00 Uhr und 24. November, 11.00 Uhr
Premiere: 24. November 2024 um 16.00 Uhr
Weitere Termine: bis 22. Dezember 2024

> Alle Vorstellungstermine auf einen Blick!

Preise

Voraufführungen und Premiere: 21,00 € und 27,00 €

Di. – Fr.: 21,00 € und 27,00 €
Sa. + So.: 27,00 € und 34,00 €

Selbstverständlich bieten wir auch wieder Sonderkonditionen für Gruppen an. Wir beraten Sie gern telefonisch unter 040-4711 0 666.

Dauer

Info folgt!


James Brown trug Lockenwickler v.l.n.r.: Mechthild Grossmann, Dennis Svensson, Johanna Christine Gehlen, Nabil Pöhls, Michael Rotschopf © Jim Rakete

James Brown trug Lockenwickler

James Brown trug Lockenwickler

von Yasmina Reza

Nach den vielgefeierten Gesellschaftskomödien „Dreimal Leben“, „Der Gott des Gemetzels“, „Ihre Version des Spiels“ und „Bella Figura“ zeigen wir das neue Stück der französischen Autorin Yasmina Reza: „James Brown trug Lockenwickler“, das pointiert und sehr komisch die gegenwärtigen Debatten um die Verständnisprobleme zwischen den Geschlechtern und den Generationen aufgreift. „In diesem Stück leuchten alle Qualitäten, die Yasmina Rezas dramatisches OEuvre und auch ihre Prosaarbeiten auszeichnen, wieder auf“, urteilte der SZ-Kritiker C. Bernd Sucher nach der Uraufführung.

Diesmal heißt Rezas Hauptthema: Identität. Sie stellt Menschen vor, die instabile Identitäten haben: Ein junger Mann, er heißt Jacob Hutner, glaubt, er sei Céline Dion, imitiert deren Stimme – dichtet und komponiert Songs, die er/sie als die Dion den Eltern vorträgt. Und er will nicht mehr bei seinem Spitznamen Muck genannt werden. Er spielt – oder ist? – die verletzliche und gefeierte Diva. Sein Freund Philippe, den Jacob in der Klinik kennenlernt, dort, wo sie beide geheilt, abgebracht werden sollen von ihrem „Wahn“, jemand anderes zu sein, ist ein weißer Junge, der glaubt, er sei ein Schwarzer. Auch die Eltern von Jacob wissen nicht so recht, wer sie sind; und die namenlose Psychiaterin, die sich der beiden jungen Männer annimmt, hat auch keine kleinen Schwierigkeiten mit sich selbst…

Rezas Stück ist ein wunderbar, leichter, ironischer Kommentar zur Gegenwart und der nun wirklich nicht neuen Frage: Wer bin ich eigentlich? Gespielt von einem wunderbaren Ensemble mit Michael Rotschopf (der Mackie Messer unserer gefeierten „Dreigroschenoper”), Johanna Christine Gehlen (gerade gefeiert in der Komödie „Das perfekte Geheimnis“), Dennis Svensson (der als „Sohn” im gleichnamigen Stück von Florian Zeller auf sich aufmerksam machte), Nabil Pöhls und nicht zuletzt Mechthild Großmann (u.a.die Staatsanwältin des Münsteraner „Tatorts“), die zum ersten Mal nach langer Zeit wieder in Hamburg auf der Bühne steht.

Mit

Johanna Christine Gehlen, Mechthild Großmann, Nabil Pöhls, Michael Rotschopf, Dennis Svensson

Deutsch von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel

Regie: Ulrich Waller | Bühne: Raimund Bauer | Kostüme: Ilse Welter | Musik: Hans P. Ströer

Premiere

19. Februar 2024

Dauer

ca. 90 Minuten, keine Pause

v.l.n.r.: Mechthild Grossmann, Michael Rotschopf, Dennis Svensson, Johanna Christine Gehlen, Nabil Pöhls - Foto: Jim Rakete

Pressestimmen

Die Dramatikerin Yasmina Reza erforscht in „James Brown trug Lockenwickler“ unterhaltsam die Schmerzgrenzen problematischer Identitätsfindungen und gesellschaftlicher Toleranz. Mechthild Großmann glänzt im St. Pauli Theater als robuste Psychiaterin aller Nervensägen, an der Spitze eines starken Ensembles, das das behutsam erzählende und erzählte Drama in einen poetischen, streckenweise märchenhaften Theaterabend übersetzt…. Queer oder nicht queer, und wo liegen die (Schmerz)grenzen, wenn sich eine Person erfindet – das ist hier keine Frage, sondern Yasmina Reza weitet die Fragestellung über die Zeichnung ihrer Figuren auf Jederfrau und Jedermann aus.

Die Welt

Yasmina Rezas „James Brown trug Lockenwickler“ ist am St. Pauli Theater eine eher zarte als übertrieben scharfe Gesellschaftskomödie. Das Stück ist lustig, lustig macht sich das Stück nicht. Das liegt an der Gelassenheit des Ensembles mit Dennis Svensson und Nabil Pöhls als Celine und Philippe. Wenn Johanna Christine Gehlen und Michael Rotschopf als Celines/Jacobs Eltern auftauchen, clasht die gesellschaftliche Erwartung auf die skurrile Realität. Und Mechthild Großmanns vom Fernsehen bekannte Lakonik ist hier in der Rolle der Psychiaterin noch ausgebaut.

Hamburger Abendblatt 

Das Pfund der Aufführung ist das fabelhafte 5-köpfige Ensemble. Mit Dennis Svensson als Celine Dion. Dennis Svensson sitzt da, mit langen Locken, strahlend, Glitzerkleid, ein Star. Er spielt wundervoll, weil er die Figur in keiner Sekunde verrät oder vorführt – sondern ihr eine innere, fluide Schönheit gibt. Jacobs Geschlecht wird zur Frage der Wahl. Man nimmt es ihm ab…. Dem Abend gelingen so zauberhafte Szenen voller Poesie. 

NDR 90,3

Der Inhalt von Yasmina Rezas neuem Stück über Identitätsfragen klingt etwas überdreht und ziemlich lustig. Rezas Theater will Komödie sein, plädiert dabei aber für eine ‚emanzipatorische Freiheit‘. Kurz: Sei, wie du bist. Und in dieser Identität setzt Regisseur Ulrich Waller das Stück schön in Szene mit einer effektvollen Parklandschaft von Raimund Bauer und einem feinen Ensemble. So bietet ’James Brown…‘ gute Unterhaltung mit einer sympathischen Haltung.

Hamburger Morgenpost

„Yasmina Rezas neues Stück ist reich an poetischen Metaphern und zugleich ein ebenso tiefgründiger wie unterhaltsamer Kommentar zur aktuellen Diskussion um Identitäten.
Die Grenze, ab wann Verhaltensabweichungen noch tolerabel sind und ab wann sie als pathologisch gelten, lässt Reza in ihren klugen Dialogen verschwimmen. Regisseur Ulrich Waller setzt das fünfköpfige Ensemble mit einem untrüglichen Gespür für die Nuancen des Textes in Szene. Großartig: Dennis Svensson, der Celine/Jacob mit lässiger Selbstverständlichkeit verkörpert.“

Szene Hamburg

„…In Hamburg ist ziemlich viel ziemlich anders. Tatsächlich gibt sich Ulrich Waller und sein Team alle erdenkliche Mühe, nicht in jene Oberflächlichkeit abzugleiten, die immer mal wieder die Schmerz-Kerne im Werk der iranisch-französischen Schriftstellerin zu überdecken drohte. Der Text agiert nahezu fragmentarisch, wie Schnappschüsse mit der Kamera – dafür findet Raimund Bauer, wie schon so oft der Bild-Zauberer auf der Reeperbahn, erstaunlich einfache, aber enorm wirksame optische Lösungen. Ilse Welter, der gute Kostüm-Geist von Sankt Pauli, verpackt die fünf Spielerinnen und Spieler markant – Jacob (Dennis Svensson) sehr feminin und mit langem Blondhaar, Philippe (Nabil Pöhls) so alltäglich, dass die Sehnsucht nach Schwärze verständlich wird; Pascaline und Lionel (Johanna C. Gehlen und Michael Rotschopf) sind elegante Eltern – auch wenn der Papa sich vor lauter Schuldgefühl gelegentlich das Hemd vom Oberkörper reißt. Extrem sachlich und kühl analysiert derweil Mechthild Grossmann den Stand der psychiatrischen Verstörungen (oder Verklärungen) der jungen Männer. Aber auch die Eltern behält Frau Doktor im Blick. Ulrich Wallers Inszenierung nimmt all diese Absonderlichkeiten ernst, stellt nicht aus; absurd und aufgesetzt komisch ist hier nichts und niemand. Eher zum Verzweifeln alltäglich …“

Michael Laages
Kritiker für Deutschlandradio, nachtkritik, die deutsche bühne