Kiezstürmer

Das Festival der jungen Regisseure

Der Vorverkauf startet im Laufe der KW 18.

Info

KIEZSTÜRMER erobern St. Pauli!

Die Zusammenarbeit des St. Pauli Theaters mit der Theaterakademie Hamburg hat sich als eine der bedeutendsten Plattformen für den Regie-Nachwuchs in Deutschland etabliert. Das von Ulrich Waller 2005 initiierte Festival bietet auch in diesem Frühjahr jungen Regietalenten die Möglichkeit, ihre kreativen Visionen auf einer klassischen Guckkasten-Bühne zu realisieren.

An zwei Tagen präsentieren sie Inszenierungen, die mit Genres spielen, beschäftigen sich auf eigenwillige Art auch mit literarischen Vorlagen und setzen sich zudem mit bekannten Stilmitteln auseinander. Immer auf der Suche nach neuen Formen und nach dem, was heute intelligente Unterhaltung sein könnte – frisch, unkonventionell und voller kreativer Energie.

Mit dabei sind in diesem Jahr:

Lori Brückner: SUNDIAL – Die Geschichte einer Aufrüstung
Musa Kohlschmidt: QUARTETT
oder how to get rid of this most wicked body
Iván Ruge: Lass sie verrotten!: Antigones Parallaxe

Künstlerische Leitung: Ulrich Waller I Dramaturgische Betreuung: Karin Nissen-Rizvani I Koordination St. Pauli-Theater: Christiane Schindler, Dagmar Berndt und Frank Eckardt


In Kooperation
mit der Theaterakademie Hamburg, Hochschule für Musik und Theater. Unterstützt durch die Hamburgische Kulturstiftung und die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.

Termine

30. und 31. Mai 2026

18.00 bis 19.00 Uhr: Musa Kohlschmidt: „Quartett oder how to get rid of this most wicked body“
19.30 bis 20.30 Uhr: Iván Ruge: „Lass sie verrotten!: Antigone Parallaxe“
21.00 bis 22.00 Uhr: Lori Brückner: „SUNDIAL – Die Geschichte einer Aufrüstung“

Preise

Einzelveranstaltung: 15,00 €

Festivalticket (gültig für alle Veranstaltungen an einem Tag): 22,00 €

Freie Platzwahl

Der Vorverkauf startet im Laufe der KW 18.

zum Spielplan

Inszenierungen

ENDZEIT

Seit Anbeginn erzählen die Menschen von ihrem eigenen Untergang. Ob naturgegeben, zwangsläufig oder menschengemacht. Im Anthropozän scheint eine Endzeit die nächste überbieten zu wollen. Die Geister von Krieg, Aufrüstung, Naturzerstörung und patriarchalen Verwerfungen regen sich unruhig unter der Erde. Schauen wir genauer hin, bemerken wir, dass sie nie wirklich begraben wurden.

Drei Teams junger Theaterschaffenden stellen sich dem Gefühl eine der letzten Generationen zu sein und erzählen mit unterschiedlichen Stimmen und Handschriften von den Enden der Zeit, der Momentaufnahme vor dem Untergang und einem möglichen Danach.

QUARTETToder how to get rid of this most wicked body - Musa Kolhlschmidt © Musa Kolhlschmidt
QUARTETT oder how to get rid of this most wicked body – Musa Kolhlschmidt © Musa Kolhlschmidt

QUARTETT
oder how to get rid of this most wicked body

von Heiner Müller
mit einem Prolog und Epilog von Musa Kohlschmidt

 

Was ist das, unsre Seele. Ein Muskel oder eine Schleimhaut.
Manche Beziehungen halten uns auf ewig gefangen. Als „Salon vor der Französischen Revolution / Bunker nach dem dritten Weltkrieg“ beschreibt Heiner Müller den Spielraum von Quartett: ein Ort zwischen Dekadenz und Verwüstung, Anfang und Ende der Zeit. Auf diesen Trümmern begegnen sich Merteuil und Valmont, einst Liebende, deren gemeinsame Geschichte von Kontrolle, Rivalität und gesellschaftlicher Ordnung geprägt ist, wieder – für ein letztes Duell.
Während draußen die Welt zerfällt, setzen sich im Inneren ihre Machtspiele fort. Sie tasten einander nach den letzten unverletzten Stellen ab, treiben sich gegenseitig in immer neue Rollen: Liebende und Gejagte, Täter und Opfer, Spieler und Objekt.
Die Spirale der Gewalt, genährt von den patriarchalen Zerwürfnissen zwischen ihnen, hält sich selbst in Bewegung mit wenig Aussicht auf Gewinner. Was bleibt übrig, wenn man sich nur noch in der Lust an Gewalt begegnen kann? Wie soll man sich heute noch lieben in all den Verwüstungen zwischeneinander?

Ein Endspiel zweier Menschen, die einander nicht entkommen wollen.

ES SPIELEN: Cedric Eich, Anna Hauner REGIE: Musa Kohlschmidt BÜHNE: Juri Gänsdorfer KOSTÜM: Maja Beyer MUSIK: Laetitia Megersa

Termine:
Samstag, 30. Mai 2026 und Sonntag, 31. Mai 2026, Beginn jew. 18.00 Uhr

Lass sie verrotten!: Antigones Parallaxe - Iván Ruge © Iván Ruge
Lass sie verrotten!: Antigones Parallaxe – Iván Ruge © Iván Ruge

Lass sie verrotten!: Antigones Parallaxe

Du denkst, jetzt passiert etwas. Veränderungen, Steigerung, Entwicklung.

Aber in Wirklichkeit passiert nichts. Oder vielleicht: Alles, was anfangen sollte, ist eigentlich schon viel zu früh passiert.

Die Texte, die dort oben gesprochen werden. Die Handlungen, die dort oben geschehen – sie sind wie das, was hier vor mir auf Papier steht. Wie Leichen, die hunderte, tausende Male wieder aus der Erde gezogen werden.

Die Antigone, die heute dort oben gespielt wird, wird heute, morgen, in anderen Theatern noch hunderte, tausende Male gespielt werden. Antigone wird von Kreon hunderte, tausende Male lebendig EINGRABEN. Und wir werden sie wieder AUSGRABEN, hunderte, tausende Male.

Wir wiederholen immer wieder dieselbe Geschichte, und doch erinnern wir uns an nichts.

Wann können wir sie endlich wirklich sterben lassen?
Sie FÜR IMMER sterben lassen? Sie FÜR IMMER in diesem schwarzen Loch einschließen?

MIT: Rachel van den Boom TEXTFASSUNG: Rachel van den Boom, Rongji Liao, Iván Ruge REGIE: Iván Ruge DRAMATURGIE: Rongji Liao

Termine:
Samstag, 30. Mai 2026 und Sonntag, 31. Mai 2026, Beginn jew. 19.30 Uhr

SUNDIAL - Geschichte einer Aufrüstung - Lori Brückner © Aimilia Theofilopoulos
SUNDIAL – Die Geschichte einer Aufrüstung – Lori Brückner © Aimilia Theofilopoulos

SUNDIAL – Die Geschichte einer Aufrüstung

Die erste Atombombe wird Mitte der 40er in der Wüste New Mexikos getestet und kurz darauf über Hiroshima und Nagasaki eingesetzt. Das Ereignis, das bis dato ungekannte zerstörerische Ausmaße offenbart, löst eine weltweite nukleare Aufrüstung für den Frieden aus. Um die noch weitestgehend unerforschten Superwaffen nun testen zu können, entscheiden die Militärs unterschiedlicher Länder, möglichst abgelegene Orte einzunehmen. Die Verstrahlung und Vernarbung der Natur und der dort lebenden Völker reißen Wunden bis heute. Verbotszonen, Geisterstädte, riesige Betonmülleimer und tote Wälder zeichnen einen Atlas der atomaren Metastase. Anfang der 60er gibt es keinen Ort mehr auf der Welt, an dem sich der globale Niederschlag nicht finden lässt.

Das Stück arrangiert, verschneidet und verwebt deklassifizierte Dokumente, der US Army, der Atomic Energy Comission und der CIA, und sichert zwischen Zahlen, Protokollen und ausgeschwärzten Zeilen die Spuren einer Zeit in der der Mensch die Zerstörung der Welt erfand.

ENSEMBLE: Anastasia Lara Heller, Nica Heru, Marina Leyes, Natalja Starosta TEXT: Natalja Starosta, Lori Brückner REGIE & SOUND: Lori Brückner BÜHNE & KOSTÜM: Joshi Timmer

Termine:
Samstag, 30. Mai 2026 und Sonntag, 31. Mai 2026, Beginn jew. 21.00 Uhr