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April
Di28Apr19:30Di19:30Blindvon Lot Vekemans - mit Nadja Petri und Gustav Peter Wöhler
Stückinfo
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Blind
von Lot Vekemans
aus dem Niederländischen von
Eva M. Pieper und Alexandra Schmiedebach
Die niederländische Erfolgs-Dramatikerin Lot Vekemans trifft mit ihrem neuen Stück den Nerv der Zeit. Mit großer Sensibilität erzählt sie von Vater und Tochter, gespielt von Gustav Peter Wöhler und Nadja Petri, die unvereinbar scheinende Haltungen zu gesellschaftlichen und politischen Themen haben, und fragt, wie diese Konflikte überwunden werden können.
Nach dem Tod seiner Frau lebt Richard abgeschottet in einer streng bewachten Gated Community. Seine langjährige Haushälterin hat er ohne ersichtlichen Grund entlassen. Nun nimmt er seine einzige Tochter Helen in die Pflicht, ihn zu versorgen, da er zunehmend pflegebedürftig sein wird. Zwischen Vater und Tochter herrschte lange Funkstille, trennte die beiden doch mehr, als sie verband.
Richard – als ehemaliger erfolgreicher Ingenieur für Wasserwirtschaft immer noch mit einem großen Ego ausgestattet – respektiert weder Helens idealistische Berufsauffassung als Anwältin von sozial Benachteiligten noch die Wahl ihres Ehemanns, eines Schwarzen Intellektuellen. Helen wiederum wirft ihm vor, sich den Herausforderungen einer sich verändernden Gesellschaft zu entziehen, in der bewusster über Fragen von Geschlechtergerechtigkeit und Rassismus nachgedacht wird und in der nur der sorgsamere Umgang mit den knappen Ressourcen der Natur die Existenz nachfolgender Generationen garantiert.
Bei einer der Stippvisiten der Tochter schließen sich die elektrischen Rollläden automatisch – so wie es bei einem Überfall vorgesehen ist. Vater und Tochter sind gezwungen, miteinander 24 Stunden zu verbringen.
Das ist die Situation eines ähnlich spannenden Diskurses mit so glasklaren, brillanten Dialogen, wie bei Vekemans letztem Stück „Gift“, das hier beim Hamburger Theaterfestivals 2014 zu sehen war. Und wieder gelingt Vekemans ein grandioses Familiendrama zur Frage «Wie sollen wir miteinander leben?», Sie zeigt auf eine sehr menschliche Weise unvereinbar scheinenden Positionen, wie sie heute in vielen Familien und Freundeskreisen für Dissens und Konflikte sorgen.
In der Rolle des „Richard“ kehrt Gustav Peter Wöhler nach dem furiosen „Jonathan Peachum“ in der umjubelten „Dreigroschenoper“ von Leonhard Koppelmann und Peter Jordan zurück auf die St. Pauli Bühne. Seine Partnerin wird Nadja Petri sein, in der „Dreigroschenoper“ die Spelunken-Jenny und zuletzt zu sehen als Reedersgattin in der „Carmen von St. Pauli“ und als charmante Selbstmörderin „Claire“ in „1h22 vor dem Ende″.
Mit Nadja Petri und Gustav Peter Wöhler
Regie Ulrich Waller | Bühne: Raimund Bauer | Kostüme: Ilse Welter
Termine
Voraufführungen: 7. und 8. April 2026
Premiere: 9. April 2026
Weitere Termine: 10. bis 16. April, 28. -30. April und 2. bis 7. Juni 2026
Beginn: 19.30 Uhr, sonntags um 18 Uhr
Preise
7. und 8. April: 39,90 € auf allen Plätzen
Sonntag bis Donnerstag: 19 € bis 54 €
Freitag und Samstag: 22 € bis 59 €
Schüler/innen, Studierende und Auszubildende: 50 % des Kartennettopreises
Dauer
ca. 1 Stunde und 20 Minuten, keine Pause
„Das Familiendrama „Blind“ spricht viele Themen an. Gustav Peter Wöhler und Nadja Petri liefern sich in diesem Kammerspiel ein intensives Duell der Generationen. Ein Duell, das nachwirkt.“
NDR-Hamburg-Journal
„Die niederländische Autorin Lot Vekemans trifft mit ihrem Stück und den Themen Geschlechtergerechtigkeit und Rassismus den Nerv der Zeit und zeigt wie eine Gesellschaft darüber immer mehr auseinanderbricht. Das Nichtzueinanderfinden tut beim Zuschauen, trotz vieler berührender Momente, bisweilen richtig weh.“
SAT1
„Das Stück „Blind“ ist in Ulrich Wallers Regie mehr als ein Familiendrama. Gustav Peter Wöhler und Nadja Petri machen das Kammerspiel zu einem Generationendrama bis hin zum Streit um ein selbstbestimmtes Leben.
Gustav Peter Wöhler gibt seinen Richard als Rassisten und verbitterten Zyniker, der zu Gefühlen nur ansatzweise fähig ist. Nadja Petri verkörpert glaubhaft den inneren Zwiespalt zwischen familiärer Pflicht und dem Wunsch nach privater und beruflicher Selbstständigkeit. Nach der Premiere gab es für die Mitwirkenden und das Regieteam minutenlangen Beifall.“
Hamburger Abendblatt
„Dieses Theaterstück, das auch in Hamburg 2026 spielen könnte, fängt eine Stimmung der Gegenwart ein. Die viel diskutierte Spaltung der Gesellschaft beginnt im eigenen Zuhause. Regisseur Ulrich Waller inszeniert mit Starbesetzung dieses Kammerspiel leise, ohne falsche Effekte, setzt ganz auf die genaue psychologische Linienführung der beiden Hauptfiguren, die sich, besetzt mit Gustav Peter Wöhler und Nadja Petri nichts schenken“.
NDR-Kulturjournal 90,3
„Ein hochaktueller und von Gustav Peter Wöhler und Nadja Petri stark gespielter Vater-Tochter-Konflikt, nachdenklich stimmende Unterhaltung.“
Hamburger Morgenpost
„Nadja Petri und Gustav Peter Wöhler fechten als Tochter und unbelehrbarer, beratungsresistenter Vater vor einem (wie so oft in diesem Theater) extrem starken Bühnenbild von Raimund Bauer einen furiosen Kampf zwischen politischem Ideal und pragmatischer Wirklichkeit aus – wie immer bei Vekemans‘ Zwei-Personen-Stücken in geschliffenen, sicher pointierenden Dialogen, einen Kampf um das aus, was noch „Zukunft“ sein könnte … beide streiten dabei klar, geradeaus, zupackend und ziemlich schonungslos. Beeindruckt kann das Publikum dem Streit der Ideen folgen: in Wöhlers Sturheit und Petris Furor… und recht schnell ist es auch nicht mehr ganz so wichtig, dass wir uns mit Tochter und Vater in der speziellen politisch-gesellschaftlichen Situation des einstigen Apartheid-Staates Südafrika befinden.
Keine Frage bleibt offen. Letztlich nur die letzte – ob es die beiden so ungleichen Wesen schaffen werden, noch einmal (und nach so vielen Jahren Streit) zueinander zu finden: für das Endstadium von Papas Leben. Sie hätten (und das ist die einzige echte Überraschung im toughen Text!) ein „gemeinsames Projekt“ … Papa hat ein innovatives Bewässerungssystem entworfen für wasserarme Zeiten; er bräuchte jemand mit der Energie der Tochter, um es zu realisieren. Aber er zerreisst die Pläne – und sie sammelt die Fetzen und Schnipsel ein. Sie könnte die Pläne rekonstruieren. Wird sie?…“
Michael Laages; Kritiker für DL-Radio, Deutsche Bühne, nachtkritik
„Ein Stück, wie aus dem Leben gegriffen und das einem noch lange nachgeht: BLIND am St. Pauli Theater ist ein packendes Kammerspiel über einen Vater-Tochter-Konflikt, inklusive Gesellschaftskritik.
Gustav Peter Wöhler spielt Richard, den Vater, mit wohltuender Zurückhaltung als einen völlig unverständigen Ignoranten, dessen festgelegtes Weltbild erst zu reißen beginnt, als er die bittere Wahrheit über den Hochzeitstag seiner Tochter erfährt. Mit Nadja Petri als Tochter Helen hat Wöhler eine starke Partnerin an seiner Seite, die in ihrer Genervtheit und Zerrissenheit über den kaum zu verhehlenden Rassismus ihres Vaters absolut glaubwürdig ist.
Das beeindruckende Bühnenbild von Raimund Bauer rahmt den Konflikt als „closed room“, in dem die verhärteten Haltungen keinen Ausweg finden. Regisseur Ulrich Waller kann hier voll auf die Kraft der leisen, unspektakulären Töne vertrauen. Auf Blicke und Pausen, die deutlich machen, wie tief die Kluft zwischen Vater und Tochter ist.“
Kulturport
Ein Gespräch mit Autorin Lot Vekemans über «Blind».
Mit BLIND haben Sie wieder ein Stück vorgelegt, das elementare Fragen des menschlichen Miteinanders verhandelt. Könnte man sagen, das ist Ihr Lebensthema?
Ich interessiere mich stets für die Frage, wie wir uns zueinander verhalten und wie wir mit den großen Emotionen umgehen, die uns begegnen, wenn wir miteinander oder mit dem Leben in Konflikt geraten. «Blind» handelt für mich im Kern von der Frage, wie man zusammenleben soll, wenn man weit voneinander entfernt ist. Versucht man sich anzunähern, zu verstehen oder geht man sich so weit wie möglich aus dem Weg? Wie neugierig sind wir aufeinander? Ist man in der Lage, sich über die eigenen Überzeugungen hinwegzusetzen? Oder schließt man sich in seiner eigenen Blase ein, wo es sich angenehm leben lässt? Natürlich geht es dabei eigentlich um Angst. Wir wollen uns sicher fühlen und verwechseln Sicherheit mit «Bewachtsein». Doch was macht der ganze Schutz, mit dem wir uns umgeben: Schließt er etwas Unerwünschtes aus oder schließt man sich eigentlich selbst ein? Das ist eine Frage, mit der ich mich schon länger beschäftige. In «Blind» prallen zwei Weltbilder aufeinander. Zwei Welten, die sich nicht annähern wollen, es jedoch an einem bestimmten Punkt müssen. Was passiert, wenn man sich gegenseitig nicht mehr ausweichen kann, wenn alle tatsächlichen und bildlichen Zäune nicht mehr funktionieren?
Vater und Tochter blicken mit großem Unverständnis für die jeweilige Lebensführung aufeinander. Geht es Ihnen um den großen Konflikt zwischen den Generationen im Allgemeinen? Oder ist dieser Vater-Tochter-Konflikt vor allem als ein individueller zu lesen?
Ich glaube, viele Menschen erkennen darin auch einen Generationenkonflikt, in dem die Älteren vor allem einen Status Quo aufrechterhalten und die Jüngeren die Welt verändern wollen. Es ist unmissverständlich auch ein Vater-Tochter-Stück, in dem man einem Kind begegnet, das um die Anerkennung des Elternteils kämpft. Gleichzeitig ist der Elternteil inzwischen der verletzlichere und auf Hilfe angewiesen. Während des Schreibens habe ich mich gefragt, wie lange man als Eltern für das Wohlergehen seines Kindes verantwortlich bleibt. Und ob man als Kind an einem bestimmten Punkt verantwortlich für das Wohlergehen der Eltern ist. Ich denke, diese Fragen werden Kinder mit inzwischen betagten Eltern verstehen.
Das Stück lässt sich auch lesen als eines, das genauso in einer nahen Zukunft in Europa spielen kann, wenn sich «Gated Communities» für wohlhabende Menschen in unseren Städten weiterverbreiten und man sich vor Überfällen durch private Securityfirmen schützen muss – oder sind wir «blind» und es ist ein Stück über das heutige Europa? Hat uns die Zukunft bereits eingeholt?
Wir leben in Europa ja bereits längere Zeit mit der Angst vor dem fremden Anderen, das wir mit aller Kraft draußen zu halten versuchen. Wir schließen zweifelhafte Verträge, um unsere Grenzen zu bewachen, alles in dem verzweifelten Versuch, unsere privilegierte europäische Existenz zu erhalten. Wir leben in einer abgeschotteten Welt, die sich nur zu ihren eigenen Bedingungen verändern will. Aber Veränderung lässt sich nicht vorschreiben. Veränderung kann man nicht über bekannte, ausgetretene Pfade lenken. Veränderung findet statt, sie kümmert sich nicht um Grenzen, die wir krampfhaft zu bewachen versuchen. In diesem Sinne spielt «Blind» auch schon bei uns. Es würde mich nicht wundern, wenn in zehn oder fünfzehn Jahren auch in Westeuropa überall «Gated Communities» entstünden. Ich spüre diese Angst auch in mir und gleichzeitig spüre ich die dringende Notwendigkeit, mich zu öffnen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der die Neugierde auf das Gegenüber größer ist als die Angst voreinander.
In Ihren Werken, Theaterstücke wie Ihre Romane, gibt es am Ende immer ein kleines Licht, das Hoffnung auf eine bessere Zukunft verspricht, auf Verständigung. Brauchen wir Hoffnung, um das Leben ertragen zu können?
Ich glaube, wir brauchen Perspektiven, die Ausgänge zeigen. Das ist für mich etwas Anderes als Hoffnung. In meiner Arbeit versuche ich immer, einen solchen Ausgang zu zeigen, den Ausgangspunkt einer anderen Wirklichkeit, die einlädt, einen anderen Weg einzuschlagen. Ich überlasse die Verantwortung für eine solche Entscheidung immer meinen Figuren. Es liegt an ihnen, ob sie sich verändern wollen oder können. Ich gebe ihnen die Möglichkeit, mehr nicht. Das Ende in meinen Stücken ist immer offen.
Auszüge aus einem Gespräch von Lot Vekemans mit dem Residenztheater München
Ticket-Link
https://tickets.st-pauli-theater.de/webshop/webticket/shop?production=621





































