Wir trauern um unseren Senior-Chef
Michael Collien

* 17. November 1939 † 4. Mai 2018

Das St. Pauli Theater trauert um seinen langjährigen Direktor Michael Collien, der am 4.5.2018 im Alter von 78 Jahren verstorben ist. Unter seiner fast 20-jährigen Direktion von 1981 - 2001 entwickelte sich das Haus zu einem modernen Volkstheater. Sein Image war eher das eines Kaufmanns: hanseatisch zurückhaltend, den Zahlen verpflichtet, wortkarg, fast spröde. Dabei gehörte die Liebe zur Kultur quasi zu seiner DNA.

Michael Collien wurde am 17. November 1938 in Hamburg geboren. Schon in jungen Jahren hatte er Kontakt mit den Bühnenstars seiner Zeit, die in seinem Elternhaus ein- und ausgingen. Sein Vater Kurt Collien hatte 1932 die Konzertdirektion Collien gegründet, die mit Schauspielern wie Fritz Kortner, O.E. Hasse, Heinz Rühmann, Elisabeth Bergner, Sängern wie Josephine Baker und Caterina Valente aber auch mit Clowns wie Charlie Rivel oder Grock zusammenarbeitete. Und so war es für ihn keine Frage, dass er 1956, nach Internatsaufent-halten in der französischen Schweiz und Großbritannien, in das väterliche Unternehmen ein-stieg, das jahrzehntelang Weltstars nach Hamburg brachte.

Zu den Höhepunkten dieser Arbeit gehörten Abende mit den Beatles oder Bill Haley, Konzerte mit Maria Callas, Giuseppe di Stefano, Mario del Monaco, Anna Moffo und vielen anderen. Jazzlegenden wie Count Basie, Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Mahalia Jackson und Oscar Petersen gastierten dank des Engagements der Colliens in Hamburg. Aber auch die gute Unterhaltung hatte in der Konzertdirektion ihren besonderen Platz: Mit Stars wie Zarah Leander, Marlene Dietrich, Juliette Greco, Mireille Mathieu, Marika Rökk, Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Freddy Quinn oder Peter Frankenfeld.

Von 1960 bis 1970 betrieb Michael Collien zusammen mit seinem Vater das Operettenhaus am Spielbudenplatz.

1981 übernahm Michael Collien die Direktion des St. Pauli Theater von seinem Vater, der es seit 1970 leitete. Zwanzig Jahre steuerte er das nichtsubventionierte Haus mit seiner Leiden-schaft für das Theater, seinem Gespür für den Publikumsgeschmack und seiner kauf-männischen Weitsicht. Er positionierte das Haus in der Hamburger Theaterlandschaft neu – u. a. durch den Wechsel vom Plattdeutschen zum Niederdeutschen, dem „Missingsch" oder durch die Öffnung des Hauses zum Boulevard mit Schauspielern wie Marika Rökk, Willy Millowitsch, Georg Tomalla, Gunther Philipp oder Elke Sommer. Unter seiner Leitung wurde das Haus, wie er selbst sagte, zu „einem anstrengenden Gemischtwarenladen", sein Grundsatz war dabei immer: „Wirkliches Volkstheater mit populärer Unterhaltung zum Vergnügen der Zuschauer zu machen".

Zu diesem neuen Volkstheater gehörten für ihn auch Unterhaltungskünstler wie Dirk Bielefeldt - alias „Herr Holm", Jürgen von der Lippe, Robert Kreis, Tom Gerhardt, Dieter Nuhr oder Marlene Jaschke. „Wenn uns etwas gefallen hat, dann haben wir es einfach gemacht," so Michael Collien. Ein weiteres stilbildendes Highlight war, englischsprachige Produktionen auf die Bühne zu bringen, wie die Natural Theatre Company, Bath mit „Scarlatti's Birthday Party", die ab 1987 zum Longseller wurden. 1988 feierte das St. Pauli Theater die Europa-Premiere des Musicals „Little Shop of Horrors", es folgten Musiktheaterproduktionen wie „Wild Women Blues", „Mahalia" oder „Ain't Misbehavin". „Das war toll. Das waren die besten Sachen, die ich je gemacht habe", sagte er anlässlich des 175. Jubiläums des Theaters 2016.

2001 bekam Michael Collien für seine „Verdienste um die Unterhaltungskultur der Stadt Hamburg" die Biermann-Ratjen-Medaille. „Es sei ihm gelungen", so lautete die Begründung, „das St. Pauli Theater in Zeiten wechselnden Publikumsgeschmacks mit viel Geschick zu führen und behutsam das Profil des Hauses zu modernisieren, ohne dabei mit der über Jahrzehnte gewachsenen Tradition anspruchsvollen Unterhaltungstheaters zu brechen."

2001 übergab Michael Collien das denkmalgeschützte Theater seinem Sohn Thomas, der das Haus seit 2003 gemeinsam mit Ulrich Waller leitet.

Michael Collien war in erster Ehe mit Barbara Collien, geb. Bähr, verheiratet, aus der sein Sohn Thomas hervorging. In zweiter Ehe mit Brigitte Collien, geb. Schacht, mit der er 29 Jahre, bis zu seinem Tod, verheiratet war.

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