Juwelen im Morast der Langeweile

LIVEPODCAST MIT MICKY BEISENHERZ UND OLIVER POLAK

Info

Der Podcast, diese noch junge, rassige Neuzüchtung aus der rasant wachsenden Familie an auditiven Unterhaltungsformaten mit der Einladung zum Mitdenken, ist ein in vielerlei Hinsicht beachtliches Tierchen. Ursprünglich eine Promenadenmischung aus Gespräch, Radioshow und gesprochenem Kommentar, hat sich der Podcast fest etabliert als eine eigene Rasse, die ungebremsten Zulauf erfährt. Es gibt auf dieser Welt vermutlich nichts mehr, wozu es nicht auch eigene Podcasts gibt. Was ursprünglich ein Tool war, um von zu Hause aus seine Zuhörer ohne großen Aufwand zu erreichen, hat mittlerweile zumindest in seinen prominenten Fällen sogar den Weg auf die Bühne gefunden und nennt sich nun Live-Podcast.
Einer der hierzulande erfolgreichsten Podcasts ist ein Audible Original und heißt „Juwelen im Morast der Langeweile“ und wird betrieben von zwei der lustigsten und gleichwohl auch klügsten Humoristen des Landes: Stand-Up-Comedian Oliver Polak sowie Autor, Moderator und – Eigendefinition – „multimedialer Gemischtwarenladen“ Micky Beisenherz. Über den ersten schrieb etwa die ZEIT, er sei „so überzeugend und unangenehm und melancholisch wie Lenny Bruce und Louis C.K.“, den zweiten ehrte beispielsweise die ARD mit den Worten, er sei „ein in diesem Land selten feinsinniger Beobachtungskünstler und Sprachliebhaber“. Zwei sehr zutreffende Charakterisierungen, denen wir uns nur anschließen können.
Beide sind jeder für sich genommen bereits fürchterlich umtriebig: Polak verfasste mit „Ich darf das, ich bin Jude“ und „Der jüdische Patient“ zwei literarische Bestseller, spielte mit seinen Shows „Der Endgegner“, „Krankes Schwein“ und „Über Alles“ in drei Ländern vor ausverkauften Häusern, schreibt Kolumnen für DIE WELT und erhielt für seine Late-Night-TV-Show „Applaus und raus“ den Grimme-Preis – all dies als Belege dafür, wie überfällig ein neuer, bissiger, gern auch mal konfrontativer Humor in Deutschland war. Von der Kinderstube über die Betrachtung der Welt in all ihrer Verworfenheit bis zur Verarbeitung schwerer Depressionen: Polak holt auf die Bühne, was er durchlebt hat und hat keine Hemmungen, sich selbst zum Narr zu machen für eine gute Pointe.
Beisenherz wiederum gelangte vom Moderieren verschiedener Shows und der Redakteurstätigkeit bei Radiosendern zu einer kommentierenden Vielseitigkeit wie nur wenige andere: Er ist Autor von TV-Sendungen von „heute Show“ bis „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, schreibt unter dem Titel „Sorry, ich bin privat hier“ eine regelmäßige Kolumne für den stern (die, so wird kolportiert, zu einer solchen Bedeutung gelangte, dass man ihm nachsagt, mit seinem Text über Vapiano für die finanzielle Schieflage des Franchise-Unternehmens zumindest mitverantwortlich zu sein) und moderiert gelassen und souverän seit längerem einen Teil der „Kölner Treff“-Talkshows. Darüber hinaus betreibt er mit zwei weiteren Fußball-Nerds den weithin geschätzten, regelmäßigen Fußball-Podcast „Fußball MML“ und veröffentlichte in diesem Jahr unter dem Titel „Apokalypse und Filterkaffee“ eine
Sammlung seiner Kolumnen als Buch, selbstredend ebenfalls ein Beststeller. Wie auch die anschließende Live-Tournee zum Buch, wo sich Beisenherz für jeden
Abend neue und spannende Gäste hinzu lud.
Da lag es nahe, dass Polak und Beisenherz, die eine langjährige Freundschaft verbindet, über kurz oder lang auch gemeinsame Projekte entwickeln. Das erste war die seit 2015 auf WDR ausgestrahlte Reihe „Das Lachen der Anderen“, in der sie sich Stand-Ups zu Randgruppen wie MS-Kranken, Menschen mit Down-Syndrom oder HIV-Infizierten ausdenken und Polak diese sodann einem Publikum vorträgt, welches ausschließlich aus der entsprechenden Randgruppe besteht. Für diese durchaus eigenwillige Betrachtung besonderer Gruppen wurden die beiden 2017 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Auch dies ist ein weiterer Beleg dafür, wie dringend es hierzulande eine neue Tonalität im Humor brauchte – eine, die eben auch dahin geht, wo es mal ein bisschen wehtut.
Gewissermaßen als Derivat dieser besonderen TV-Reihe konnte man Polak und Beisenherz auf den jeweiligen Anfahrtswegen zu ihren „Randgruppen“ in den sozialen Netzwerken dabei zusehen, wie sie im Auto sitzend über dies und das und jenes sinnieren – immer spontan, nie gescriptet, die pure Eruption von Beobachtetem, eingefangen in wunderbar  prägnanten Kommentaren. Dass daraus sodann ein eigener Podcast wurde, lag gewissermaßen auf der Hand – und so agieren die beiden seit 2017 regelmäßig als Führer zu den  besonderen „Juwelen im Morast der Langeweile“. Dabei schwadronieren diese zwei klugen Köpfe über so ziemlich alles, was ihnen in den (Un-)Sinn kommt. Beisenherz: „Wir haben viele Dinge, über die wir uns uneinig sind. Also ist es korrekt, einen ICE nach Anne Frank zu benennen? Ist ein verunglücktes Kompliment schon Sexismus? Es gibt sehr viele Dinge, über die man sich schön streiten kann.“ Nun werden sie dies erstmals live vor Publikum tun, an vier Abenden im März 2020. Und dabei beweisen, wie viele ungezählte Dinge es gibt, über die noch nie in angemessen spitzer Form gelacht wurde.

Präsentiert wird der Podcast von Audible Original Podcast und Rolling Stone.

Termin

8. März
Beginn: 20.00 Uhr

 

Preise

23,00 € zzgl. Gebühren (Freie Platzwahl)

Rollstuhlfahrerinfos und Tickets für Schwerbehinderte Personen unter:
01806 – 853 653 (Mo.-Fr.: 10 – 18 Uhr – 0,20€ / pro Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,60 €/pro Anruf

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